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Palästina · 1910-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 128

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 6-7
Article
Jüdische Frauenarbeit für Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 128 (sequence 3)
Language
German
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machen, so daß eine Gesamtsumme von nahezu 5 Millionen Francs herauskommt. Ziehen wir demgegenüber in Betracht, daß die jüdische Bevölkerung Jerusalems fast 60.000 ausmacht, wovon mindestens 45.000 Chalukahgelder empfangen, und daß in Safed und Tiberius etwa 15.000 Juden leben, die fast sämtlich auf Chalukah angewiesen sind, so ergibt sich, daß die anscheinend so große Summe, die jährlich von frommen Juden eingeht, sich derart auf eine große Bevölkerung verteilt, daß im Durchschnitt etwa 60 Francs per Kopf und Jahr an direkten Spenden und etwa 25 Francs per Kopf und Jahr an indirekten (für den Unterhalt von Hospitälern, Schulen usw.) entfallen würden. Bei der außerordentlich niedrigen Lebenshaltung der Juden Palästinas, bei denen — nicht viel anders wie bei der arabischen Bevölkerung — die Ausgabe für Brot den größten Posten im Haushaltungsbudget bildet, würden nun 60 Francs per Kopf und Jahr schon fast ausreichen können, aber die Chalukah wird ja keinesfalls in einer auch nur annähernd gleichmäßigen Weise verteilt. Aus manchen Ländern, wie z. B. aus Ungarn, Holland und Deutschland fließen verhältnismäßig große Summen ein, die nur an die verhältnismäßig kleine Zahl der ungarischen, holländischen und deutschen Juden ausgezahlt werden, die im Lande leben. Diese haben aus der Chalukah vielfach eine Einnahme, die nach Tausenden zählt und ihnen einen recht beträchtlichen Wohlstand sichert. Andererseits gibt es — speziell in Osteuropa — Chalukahdistrikte, deren arme Bevölkerung nur sehr geringe Beträge für die zahlreichen Juden spenden können, die gerade aus diesen ärmsten Distrikten nach Palästina gegangen sind. So gibt es Chalukaheinkünfte, die per Kopf und Jahr nur wenige Francs ausmachen, aber von diesen Aermsten unserer Armen doch um so höher geschätzt werden, weil es das einzige Einkommen ist, auf das sie mit Bestimmtheit rechnen können. Das Hungerleben dieser ärmsten Schichten der jüdischen Bevölkerung in Palästina ist schwer zu schildern und wäre noch schwerer zu glauben. Man möchte fast sagen, daß nur die häufigen Krankheiten in dieser Bevölkerungsschicht, durch die sie gelegentlich Hospitalskost bekommen, sie am Leben erhält. Im Frühjahr und Sommer 1907, als Jerusalem an Wassermangel litt, konnte man ausgemergelte Gestalten mit primitiven Blecheimern aus dem Innern der Stadt lange Wege machen sehen, um da vor den Toren Wasser aus den Zisternen zu holen, die eine christliche Wöhltätigkeitsgesellschaft (!) armen Juden unentgeltlich zur Verfügung stellte. Und man kann sich das jammervolle Bild vorstellen, wie die Leute jedesmal nach einer kurzen Strecke die gefüllten Gefäße abzustellen hatten, um sich auszuruhen, und wie kleine Kinder 128

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