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Palästina · 1910-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 125

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Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 6-7
Article
Zeugen wider Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 125 (sequence 11)
Language
German
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doch hier nicht, wie in seiner Heimat, gedüngt, sondern bei primitiver Ackerung und ohne Düngung diese Ernte erzielt wird. Wir sehen, daß hier der Anblick des Bodens in mannigfacher Beziehung täuscht. Er läßt weder erkennen, was aus ihm gewonnen werden könnte, noch was er in diesem Zustande bereits heute zu leisten vermag. Jeder Laie, der sonst nie ein selbständiges Urteil über diese Gegenstände wagen würde, fühlt sich bezüglich Palästinas hierzu berechtigt, da ja über die Tatsachen, daß außerordentliche Trockenheit herrscht, massenhaft Steine und Sand anzutreffen sind, wenig Anbau und stellenweise wüstes Gebiet vorhanden ist, gar kein Zweifel besteht, und es dem Reisenden eben so zweifellos ist, daß diese Tatsachen zu dem Schlüsse berechtigen, daß das Land für eine großzügige Kolonisation ungeeignet ist. Gerade die oben gewählten Beispiele aus Klima und Landwirtschaft zeigen am sinnfälligsten, daß solch naheliegende Schlüsse irrig sind, obwohl -die grundlegenden Beobachtungen richtig sind, und die Schlüsse an sich durchaus nicht unlogisch erscheinen. Kommen aber zu derartigen Auffassungen all die übrigen Fehlerquellen hinzu, besonders die Uebergehung der fruchtbaren Teile und die Bevorzugung der unfruchtbaren, sowie die durch allerlei äußere und innere Erlebnisse geschürte Mißstimmung gegen das Land, so ist das vernichtende Urteil fertig. So wird der Palästinareisende oft zu einer Gefahr für die Sache der jüdischen Kolonisation. Er gilt der Menge, zumal wenn er ein angesehener und intelligenter Mann ist, als sachverständig und schreckt das Publikum durch seine Vorträge, seine Artikel, seine Erzählungen ab. Ihm entgegenzutreten, ist meist ein aussichtsloses Beginnen. Ist der Gegner Zionist, so gilt er als befangen, als Parteimann, der alles zu rosig sieht. Auch sind ja, wie erwähnt, die grundlegenden Beobachtungen meist gar nicht zu bestreiten, wahrend die neuen Deutungen, die man diesen Beobachtungen zu geben versucht, vom Standpunkt des Westeuropäers durchaus unwahrscheinlich und wie Ausreden klingen. Es ist meist aussichtslos, diese Zeugen wider Palästina zu widerlegen. Wir bedürfen eines guten, wahrhaft modernen Reisehandbuchs für Palästina. Freilich auch eines rein jüdischen, wie es sich auf der Grundlage des jüngst erschienenen Handbuches von Trietsch ohne größere Schwierigkeiten wird schreiben lassen. Aber naturgemäß würde ein solcher „jüdischer Bädeker" (eine contradictio in adjecto) nur in einem engeren Kreise Verwendung finden. Wichtiger für die Richtigstellung der allgemeinen Auffassung über den Wert Palästinas und über seine Juden wäre ein allgemeines Handbuch, eine Ueberarbeitung des Bädeker, in der unter Beibehaltung des archäologischen und christlich-theologischen Materials auch die Moderne des Landes, die Juden und ihre Leistungen auf wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet zu besserer und gerechterer Würdigung gelangten. Allerdings wäre hiefür eine objektive, deutlichere und ausführliche Hervorhebung der jüdischen Kolonien und die Anregung zur Besichtigung auch der modernen Schöpfungen im Lande (nicht nur der christlichen) unerläßlich, und diesen Bedürfnissen müßten auch-*die vorgeschlagenen Touren angepaßt sein. In einem solchen Handbuche, das 125

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