Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Zeugen wider Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 10)
- Language
- German
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von einer der an der südlichen Küste gelegenen Kolonien bis zur nächsten durch den hohen Sand stampft, so belustigt er sich wohl über die Unfruchtbarkeit dieser Sand- und Steinwüste. Galiläa besonders, das wenig besuchte, besitzt einen äußerst fruchtbaren Boden, der zum Teil sogar vulkanischen Ursprunges ist. Diesen Charakter haben in großem Umfange die Gebiete östlich des Jordan, zumal der Hauran, die Kornkammer des ömischen Reiches, in dem der erstklassige, nahezu durchsichtige Weizen gedeiht. Nur wenige Reisende dringen aber in diese trotz ihrer Verwahrlosung noch heute sehr fruchtbaren Gegenden vor. Was heute auf der Karte als Syrische Wüste bezeichnet wird, war nicht immer Wüste; für weite Gebiete bedeutet dieser Name nicht einen Tadel für das Land, sondern für den Menschen. Um jeden Schritt, um den die menschliche Kultur zurückweicht, schiebt sich die Grenze der Wüste vor. Mitten in solcher Wüste erzählen die Teils, die Ruinenhügel, von Kulturstätten, die ehemals hier geblüht. — Doch bleiben wir bei dem eigentlichen, dem historischen Palästina! Gerade das Jordantal, das freilich die meisten Reisenden nur bei Jericho und am Toten Meer besichtigen, gehört zu den fruchtbarsten Strichen des Landes. Freilich nicht die Salzwüste am Toten Meer. Aber fast das ganze übrige Ghor ist wegen der Beschaffenheit seines Bodens, der hohen Temperatur und der in genügender Menge zur Verfügung stehenden Feuchtigkeit dazu bestimmt, wieder das zu werden, was es im Altertum gewesen ist, ein Paradies, eine Quelle unermeßlichen Reichtums. Hier gedeiht eine tropische Vegetation, Dattelpalme, Baumwollstaude und Zuckerrohr. Freilich bedarf es auch hier einer rationellen Verteilung des Wassers. Ganze Gebiete am Jarmuk, am Tiberiassee und in anderen Teilen des Jordantales könnten der Kultur wieder erschlossen werden, wenn man die köstlichen Wassermengen, die hier nutzlos verdunsten, z. B. durch Stauwehren aufspeicherte und dem fruchtbaren Boden zuführte, der heute aus Mangel an Wasser nur wenig hervorzubringen vermag. Der Reisende nun, der diese trostlosen Gefilde sieht, der an die alten Berichte von der fabelhaften Fruchtbarkeit dieser Gegend nicht glaubt, der die Qualität des Bodens und die Möglichkeit der Staubewässerung nicht kennt, berichtet dann in der Heimat, das Land sei eine unbrauchbare Wüste. Freilich gibt es auch landwirtschaftlich völlig unbrauchbare Gegenden, und zwar gerade in der Nähe der wichtigsten Besuchsorte der Touristen: die bereits erwähnte Wüste Juda östlich von Jerusalem oder die Steinfelder westlich von Jerusalem und Bethlehem mit ihren spitzen Kalksteinen u. a. m. Ihr Anblick befestigt den Reisenden natürlich in seinen irrtümlichen Anschauungen. So mancher aber würde wohl in seinem Urteil stutzig werden, wenn er erführe, welche Paradiese jüdische Bauern aus diesen Sandwüsten hervorgezaubert haben, was mit künstlicher Bewässerung, mit Düngung, mit modernen landwirtschaftlichen Maschinen hier geleistet werden kann. Auch mag ihm oft der Saatenstand in der Ebene Jesreel oder in den Ebenen Saron und Schepheiah einfach als normal erscheinen, während 124