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Palästina · 1910-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 123

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 6-7
Article
Zeugen wider Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 123 (sequence 9)
Language
German
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Von der künstlichen Bewässerung wird noch zu sprechen sein; Wo aber eine solche fehlt, und besonders in schlecht oder gar nicht angebauten Gegenden, da wird der Boden im heißen Sommer hart wie Stein, .woraus der . Reisende Unfruchtbarkeit schließt. Auch sonst fehlt es im Lande wahrlich nicht an Steinen, die in ganzen Kalkbänken aus Kiesel und losen Kugeln weithin die Felder bedecken. Ein schauriger Anblick für den Reisenden! Ein einwandfreier Beweis für die Unfruchtbarkeit — natürlich des ganzen Landes, wenn man auch nur einen kleinen Teil gesehen hat. In Wirklichkeit ist der Boden einer Zusammensetzung nach — besonders wegen seines Reichtums an Kalksalzen — für hochwertige intensive Kulturen geeignet, für Gemüse- und Plantagenbau. Freilich fehlt es an einer gleichmäßigen Befeuchtung des Bodens, nicht etwa aus Mangel an Wasser, sondern infolge der Ungleichmäßigkeit in der Verteilung der Niederschläge. Hier, muß menschliche Kunst die Natur korrigieren, um dem Boden seine sonst brachliegenden Schätze entlocken zu können. Und deshalb bedeutet gerade hier Unkultur tiefsten Verfall, Kultur aber hohen Reichtum. Da der Boden in der regenlosen Zeit — wie jeder Laie auf den ersten Blick erkennt — außerordentlich hart und trocken ist, so sieht der Reisende hierin einen Beweis und zugleich eine Ursache für die Unbrauchbarkeit des Bodens. Der Europäer vermag sich freilich bei der Gleichmäßigkeit der Niederschläge in unseren Breiten nicht vorzustellen, daß, während es im Mai keinen Regentropfen gibt, noch im März wahre Wolkenbrüche auf die Galiläa durchziehenden Reisenden herniederstürzen können. Er mag es im Mai nicht glauben, daß die jährliche Gesamtmenge, des Regens bedeutender ist als in Europa. Sie beträgt für die Küste im Durchschnitt 590'1 mm, für Jerusalem sogar 662, für Haifa 705, für Galiläa noch mehr, während sie für London nur 589, ja für Berlin 521 mm beträgt. Nun ist zwar diese Verteilung des Regens gerade für den Bau der Weinrebe von Vorteil, im allgemeinen stellt sie aber einen schweren Nachteil dar, der durch eine rationelle Wasserwirtschaft, wie sie in alten Zeiten betrieben wurde, beseitigt werden kann. Wo Anlagen vorhanden sind, fehlt es kaum an Wasser, und nun erst kann der Boden seine Fähigkeiten entfalten. Heute aber, wo die meisten Anlagen verfallen sind, fließt ein großer Teil der Niederschläge, der im Gebirge in den Kalk einsickert, als Grundwasser nutzlos dem Meere zu, so daß er in der regenlosen Zeit dem dürstenden Boden fehlt, während er sich anderseits in Sümpfen anstaut, in denen die Keime der Malaria gedeihen. So sieht der Fremde nur zwei Mängel: ein teils ausgetrocknetes, teils versumpftes Land, während es sich in Wirklichkeit um ein Land handelt, das, in Kultur genommen, weder sumpfig, noch zu trocken, sondern meist genügend durchfeuchtet ist, so daß der Boden nun infolge seiner natürlichen (chemischen) Beschaffenheit stellenweise eine fabelhafte Fruchtbarkeit entfalten kann. Gerade in der Wüstenebene, wo arabische und jüdische Bauern ihre herrlichen Orangenplantagen geschaffen haben, die bekanntlich einer reichlichen Bewässerung bedürfen (jede Bojare besitzt einen eigenen Brunnen), mangelt es nirgends an Grundwasser, das man oft schon in einer Tiefe von 8 m findet. Der Fremde aber, selbst wenn er das Gras wachsen hört, vermag doch das Grundwasser nichtzu sehen, und wenn er nun auf dem Marsche 123

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