Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Zeugen wider Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 122 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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weil sie die historisch bedeutsamsten sind, durchquert; unmöglich aber auch deshalb, weil unsere europäischen Vorstellungen und Erfahrungen, wie wir nunmehr an einer größeren Anzahl von Beispielen zeigen wollen, zur Deutung des Gesehenen nicht ausreichen. Es ist in der Eigenart des Landes, in seiner Lage, in seinen Beziehungen zum Passat und Antipassat bedingt, daß sich das Jahr in eine Regen- und eine regenlose Zeit scheidet. Es vollziehen sich hier inneihalb kurzer Zeit wesentliche Veränderungen im Aussehen des Landes. Wer zur ungünstigen Jahreszeit das Land besucht, vermag sich nach dem Wechsel der Jahreszeiten, wie er ihn von Europa her gewohnt ist, von dem Bilde, das Palästina zu anderer Zeit bietet, keine Vorstellung zu machen. Während die Ebene Saron heute noch in ödem, eintönigem Grau vor seinen Augen daliegt, ist sie wenige Wochen später ein herrlicher Garten voll bunter Blumen und Gräser, denn nun ist es plötzlich Frühling geworden, und nun leuchtet auch am Strande des Tiberiasees und am Karmel in rot und blau und gelb ein prächtiger Farbenteppich, und um Jaffa herum ist die Luft weithin vom Dufte der Orangen erfüllt, deren frisches Goldgelb aus dem satten Grün der Blätter herausschaut. Kaum aber ist der Sommer erschienen, so verdorrt die Pracht — außer dort, wo durch künstliche Bewässerung, wie wir sehen werden, für eine regelmäßigere Verteilung der Feuchtigkeit Sorge getragen ist. Und wie steht es mit den kahlen Felsen, die dem Reisenden eine Wüste vortäuschen? Schon die erwähnten Terrassierungen müßten ihn darauf hinweisen, daß hier einst Anbau getrieben wurde; freilich ist der Humus durch den Regen von den Bergen heruntergespült worden, seitdem die Wälder ausgerottet worden sind. Aber sprechen wir nicht einmal von Zukunftsmöglichkeiten! Eben dieser Kalkboden, der nach europäischen Begriffen zu nichts nutze ist, gehört zu den für die Oelbaumkultur geeignetsten Böden. Gerade auf diesem Boden, sogar ohne künstliche Berieselung, werden die feinsten Oelsorten erzielt, und noch heute bewundern wir als Ueberreste der einstmals sich weithin dehnenden Oelbaumhaine die kleineren Wälder bei Jerusalem und Hebron, deren Bäume trotz geringer Pflege Jahrhunderte alt werden, ohne ihre Fruchtbarkeit einzubüßen. Oft sind auch die Steine, deren Anblick die Reisenden abschrecken, recht bedeutungslos; werden sie weggeräumt, so erscheint unter ihnen zuweilen ein prächtiger Boden, auf dem Getreide- und Gemüsebau getrieben werden kann. Wie leicht aber der Reisende durch seine europäischen Vorstellungen bei der Beurteilung des Landes irregeführt werden kann, zeigt besonders jene „Sandwüste", die das Hinterland von Gaza bildet. Unverständlich für die Europäer, wie hier überhaupt eine Frucht gedeihen kann! In der Tat kommt selbst der Oelbaum auf sandigem Boden schlecht fort Aber ohne daß der klügste Reisende imstande wäre, es dem Boden von außen anzusehen, findet hier doch bei Gaza eine Ausnahme statt. Da nämlich der sandige Alluvialboden des Philisterlandes genügend Nährstoffe und Feuchtigkeit besitzt, so eignet er sich hervorragend für die Olivenkultur. Seit grauer Vorzeit schon genießt er einen besonders hervorragenden Ruf als Oelbaumland, und noch heute wird diese Kultur dort in großem Maßstabe und mit bestem Erfolge getrieben- 122