Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Zeugen wider Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Eignung des Landes in Betracht kommen. Die Tour Beirut- Damaskus scheiden wir von vornherein aus, weil sie bereits auf syrischem Gebiete liegt. Die Strecke Haifa—Deraat führt durch die fruchtbare Ebene Jesreel, die auch gut angebaut, aber zum Teil versumpft ist und keinerlei größere Ansiedlungen enthält. Das Hauptinteresse konzentriert sich aber auf die Strecke Jaffa—Jerusalem. Nur selten besichtigt der christliche Reisende (oft auch der jüdische nicht) die südlich von Jaffa oder auf der Strecke Jaffa—Haifa gelegenen Kolonien. Der Zug führt ihn von Jaffa aus zunächst durch die reichbepflanzte Ebene Saron. Aber je weiter die Bahn in das Innere des Landes vordringt, umso kahler die Felsen, umso wilder die nackten, hochragenden Bergzacken, und bald gewahrt das Auge des hinausschauenden Touristen nichts als eine imposante Gebirgslandschaft, die zwar allerlei historische Erinnerungen auslöst, aber keine Anpflanzung zeigt (die Spuren alter Terrassierungen entgehen meist seinem Auge), nichts von Hochwald, nur Steine, Steine, Steine. Das ist Palästina! Macht er nun von Jerusalem seine Ausflüge, so Findet er zwar Bethlehem in einer überaus fruchtbaren, gut angebauten Talmulde gelegen; aber wehe, wenn er die Tour nach Jericho unternimmt! Der Weg führt gerade durch das Gebiet, das allein im ganzen West-Jordanlande mit Recht den Namen Wüste trägt. Ja, es ist ein wirkliche Wüste, grau in grau oder braun mit scharfumrissenen Schlagschatten in den mächtigen Schluchten, nirgends ein Gras, nirgends ein Baum, eine Wüste, wie sie von Natur kraft der vorliegenden physikalischen Verhältnisse in einem Gebiet, das völlig im Wind- und Regenschatten liegt, entstehen muß. Der Tourist durchkreuzt das Gebiet, und nun steigt er wie durch ein Felsentor in das heiße Jordantal herab. Wo sind die „Palmen von Jericho"? Wo die berühmte tropische Vegetation des Ghor? Er findet eine kleine spärliche Oase ohne größere Pflanzungen; und je mehr er sich dem Toten Meere nähert, um so versalzter ist der Boden. Hier aber wächst absolut nichts mehr, und nur skurrile Formen von Salzsäulen und -Zacken fesseln das Auge. Gewiß eine höchst interessante Stätte — aber der Boden ist unfruchtbar, und die in diesem Grabenbruch herrschende Tropenhitze ist für den Europäer unerträglich. Keine Frage, die Kolonisation In diesem unfruchtbaren Lande ist aussichtslos, denn das Land ist eine Stein wüste! Wahr ist, daß man auf vielen von den Touristen bereisten Strecken des Landes absolut keine Kolonisation treiben kann, weder in der Wüste Juda noch am Toten Meer. Wahr ist, daß der Hochwald gerade im Gebirge Juda in beinahe IB. Jahrhunderten der Verwüstung von Titus über die Kreuzfahrer bis zur türkischen Herrschaft herab vernichtet worden ist, wodurch dem Lande in klimatischer, landwirtschaftlicher, gesundheitlicher und ästhetischer Beziehung großer Schaden geschehen ist. Wahr ist vielleicht, daß die Austrocknung des Landes fortschreitet, und die Unterschiede zwischen Sommer und Winter, zwischen Regen- und regenloser Zeit im Laufe der Jahrhunderte immer schroffer geworden sind, wahr auch, daß die Fruchtbarkeit abgenommen hat. Aber dennoch ist das Land ein agronomisches Vorzugsland. Nur ist es den Reisenden unmöglich, sich hiervon zu überzeugen, wenn er die fruchtbarsten Teile des Landes übersieht, gerade die unfruchtbarsten aber, 121