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Palästina · 1910-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 120

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 6-7
Article
Zeugen wider Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 120 (sequence 6)
Language
German
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besichtigen. Sein Name verschwindet unter denen von Fellachendörfern und doch ist diese Kolonie bei weitem das Sehenswürdigste auf der ganzen Strecke bis hinauf nach Haifa. In diesem Zusammenhange möchte ich erwähnen, daß vor wenigen Jahren in den Literaturvereinen Deutschlands mehrfach ein Palästinavortrag von einer bekannten jüdischen Persönlichkeit gehalten wurde, der man sogar zugestehen muß, daß sie ein warmes Herz für die orientalische Judenheit hat. Der Redner sprach vor dem jüdischen Publikum eine Stunde lang über Palästina, ohne die Kolonien mit einem Worte zu erwähnen. Uebrigens hatte er selbst auf der Reise die galiläischen Kolonien, also die landschaftlich schönsten, nicht berührt. Ja wie wenige Reisende, die später ihr Urteil, über die Kolonisation Palästinas abgeben, verirren sich nach jenen galiläischen Kolonien um Tiberias und Safed, nach den Kolonien der tca und nach der herrlichsten von allen, nach Rosch Pinah, diesem entzückenden Dörfchen mit seinen Aussichten, die-die-ganze Schönheit von Erez Israel im Panorama zeigen! Und gerade auf diesen Kolonien wird fleißiger und härter gearbeitet als in Judäa. Freilich sind sie nicht bequem mit der Eisenbahn erreichbar, sondern man muß mit der Bahn bis nach Samach (an der Südspitze des Tiberiassees) fahren, sich nach der Stadt Tiberias übersetzen lassen und hat dann mehrere Stunden auf gewundenen felsigen Pfaden tief ins Gebirge hineinzureiten. Wie wenige geben sich so viel Mühe! Und so erfahren sie wenig oder nichts von dem neuen jüdischen Leben in Palästina. Wir kommen nun zu einer weiteren Gruppe von Ursachen, die uns das abfällige Palästinäurteil der Touristen erklären. Es ist hierfür nicht nur wesentlich, daß die Reisenden wichtige Punkte des Landes n i cht sehen, sondern ebenso wesentlich, daß ihnen das, was sie sehen, in falschem Lichte erscheinen muß. Ich spreche hier nicht mehr von den Juden des Landes, sondern von der Eignung des Bodens für eine große jüdische Kolonisation, deren Möglichkeit von den Reisenden oft energisch bestritten wird. Wenn wir nun behaupten, daß ihnen manches in falschem Lichte erscheint, so gilt das nicht nur in dem Sinne, daß ihr Weg sie gerade durch besonders unfruchtbare Gebiete des Landes führt, sondern auch insofern, als sie das, was sich ihnen darbietet, nach europäischen Erfahrungen und Grundsätzen beurteilen, die aber für dieses so anders geartete Land in keiner Beziehung, am wenigsten in klimatischer und agronomischer, zutreffen. So muß sie selbst der gesunde Menschenverstand und eine umfassende, in Europa gewonnene Erfahrung bei der Deutung der sich ihnen darbietenden Erscheinungen irreführen. Und so erklärt es sich, daß selbst der gewissenhafte, gebildete Reisende, der sich im Lande gründlich umgesehen hat, zu völlig falschen Schlüssen gelangt — um wiefiel mehr der Reisende, bei dem auch noch die anderen bereits erwähnten Mängel und Fehlerquellen zutreffen. Hier kommen wir zu der eigentlichen Hauptwurzel der vorliegenden Frage. Aber prüfen wir zunächst, welche Gegenden der Reisende auf der beschriebenen Tour passiert, und ob gerade sie für die Beurteilung der 120

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