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Palästina · 1910-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 119

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 6-7
Article
Zeugen wider Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 119 (sequence 5)
Language
German
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liegende Kolonien von. den Reisenden nicht beachtet werden. Nicht selten geschieht es, daß selbst Juden das Land wieder verlassen, ohne von der Existenz der jüdischenJColenien etwas erfahren zu haben, während andere davon rein zufällig in Gespräch mit palästinischen Juden erfahren. Bleiben wir zunächst bei den Juden des Landes, soweit man sie auf der beschriebenen Tour zu Gesicht bekommt. Der Bädekerreisende stößt wohl, abgesehen von Jaffa, zum erstenmal in Jerusalem auf eine große Anzahl palästinischer Juden. In vielen Tausenden findet er sie hier beisammen und er forscht nun im Handbuch nach, um über ihre Zahl, ihre Institutionen, ihre Leistungen etwas zu vernehmen. Da findet er in kleinem Druck: „Das schmutzige Judenquartier mit vielen Synagogen, Trödlerbuden . . . enthält nichts Bemerkenswertes." Die zweite Erwähnung der Juden erfolgt im Zusammenhang mit einer Grandattraction: ist doch die Klagemauer eine sterngeschmückte Sehenswürdigkeit der Stadt. Sie ist genau beschrieben; besonders für Freitag nachmittag 4 Uhr wird ein Besuch angeraten und es wird auch registriert, daß der Anblick ergreifend ist. Selbst die hebräischen Klagelitaneien sind in wörtlicher Uebersetzung zu lesen, sogar in zwei Versionen. Wieviel Raum doch im Bädeker hier für. die Juden reserviert ist! Der .Fremde besichtigt pflichtgemäß die Sehenswürdigkeit und macht die obligate photographische Aufnahme. Die Klagemauer, die sie alle gesehen haben, bleibt für die meisten Reisenden das einzige jüdische Dokument in Palästina und das Absingen der Litaneien die einzige jüdische Tätigkeit im Lande. Von den 8 —9000 jüdischen Seelen, die von der Landwirtschaft leben, erfährt der Reisende oft nichts. Wenn sich das Handbuch seitenlang bei tausenderlei archäologischen Lappalien aufhält, so kommt es dabei einem Bedürfnis vieler christlichen Reisenden entgegen. Aber wie merkwürdig, daß der Bearbeiter des Bädeker, Dr. Benzinger, dem die Bedeutung der Juden für die Entwicklung des Landes sehr wohl bekannt ist, von den jüdischen Bauern und ihren Kulturtaten dem Reisenden nichts verrät! Wohl finden wir historische Bemerkungen über die Juden des Landes, auch ist hier und da ein Rabbigrab (von zweifelhafter Echtheit) erwähnt. Aber welchen Einfluß auf das Urteil von vielen Tausenden von Reisenden über Palästina und seine Juden hätte es nun, wenn das sonst so ausführliche Handbuch sie dazu anregte, selbst nur auf der beschriebenen Tour einen kleinen Abstecher nach dieser oder jener jüdischen Kolonie zu machen? Da haben wir Vß Stunden von Jaffa Rischen le Zion; ja, Pethach Tikwah, diese Perle jüdischer Kolonisation,- dieser duftende Orangengarten, ist sogar täglich von Jaffa aus in nur halbstündiger Wagenfahrt für kaum 70 Pfennige zu erreichen. Aber diese Namen sind in kleinem Druck unter Dutzenden von Namen winziger schmutziger Araberdörfer erwähnt und es ist kaum etwas anderes hinzugefügt als „Jüdische Kolonie" oder, wie es zuweilen so schön heißt, „Judenkolonie". So ergeht es Rischon, so Ekron, während das herrliche Rechoboth überhaupt nicht existiert. Zamarin (Sichron Jakob) ist ein wenig hervorgehoben, weil dort die Möglichkeit zu übernachten gegeben ist. Ja selbst auf der Wagenfahrt von Jaffa nach Haifa, auf der doch Pethach Tikwah passiert wird, lädt den Unkundigen nichts dazu ein, für eine halbe Stunde auszusteigen und das schöne, reiche, blühende Dorf zu 119

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