Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 6-7
- Article
- Zeugen wider Palästina
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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einer prominenten jüdischen Persönlichkeit an. Nun ist aber bekannt, daß sich gerade in dieser Stadt die einzelnen Interessengruppen oft feindselig gegenüberstehen, und die Sonderung der einzelnen Richtungen in dem persönlichen Verhalten ihrer Vertreter zu schroffem Ausdruck kommt Da ist nun folgender Fall charakteristisch, der sich oft genug wiederholen mag. Ein gebildeter Amerikaner hielt sich mehrere Wochen in Jerusalem auf. Er hatte unter der Leitung eines Jerusalemer Herren alle Anstalten besichtigt, ohne auch nur ein Krankenhaus oder ein Altersheim übersehen zu haben. Sein Gesamturteil über die dortigen Juden war wenig günstig. Unmittelbar vor seiner Abreise erfuhr er rein zufällig von mir, daß es hier eine jüdische Kunstgewerbeschule Bezalel gebe, von deren Existenz ihm sein Führer, wer weiß aus welchen persönlichen Gründen, nichts verraten hatte. Er besuchte mit mir die Anstalt und war von allem, was sich da seinen Augen bot, so entzückt, daß er dem Bezalel die 12bändige Jewish Encyclop.edia, jdie sich Professor Schatz schon lange für die Bibliothek gewünscht hatte, zum Geschenk machte. Aehnlich lag der Fall bei einem Breslauer Millionär, dem ebenfalls tausenderlei nebensächliche Dinge in Jerusalem gezeigt worden sind, ohne daß er etwas von der Existenz des Bezalel erfahren hätte. Zweifellos hätte die Anstalt sein Interesse erregt, nun aber ist sein Urteil über Jerusalem — das herkömmliche. Wie oft mag sich solch ein Fall wiederholen? Ein noch größerer Mangel besteht darin, daß vor den Augen der meisten, auch der nichtjüdischen Reisenden, das wiedererwachende Leben im Lande gar nicht sichtbar wird, weil. sie oft keine einzige jüdische Kolonie besuchen, und daß ihr Urteil über den Wert des Landes dadurch irregeleitet Wird, daß sie auf ihrer Tour gerade die zur Beurteilung des gesamten Landes ungeeignetsten Strecken passieren. Welchen Weg schlagen denn die meisten Touristen ein? Sie landen in Jaffa oder,-falls, hier die Landung.unmöglich ist, in Beirut, von wo sie dann die Tour in umgekehrter Richtung ausführen. Von Jaffa fahren sie mit der JEisenbahn nach Jerusalem, .halten sich hier mehrere Tage auf und unternehmen von hier Ausflüge in der Umgegend, nach dem Oelberg, nach Bethlehem und Hebron, oft auch eine Wagenfahrt nach Jericho und dem Toten Meer, schon weil der Name alte Erinnerungen weckt, und dieser tiefstgelegene Punkt der Erde auch geographisches Interesse beansprucht. Nur wenige reiten nun landeinwärts über Nabulus und Dschenin nach Haifa, die meisten kehren nach Jaffa zurück und fahren zu Schiffe nordwärts. Einige landen in Haifa, besichtigen die Stadt und fahren von hier nach Nazareth, vielleicht auch nach Tiberias. Die meisten aber fahren an Haifa vorbei und landen in Beirut. Von hier geht die Reise mit der Bahn nach Damaskus, wobei auf dem Wege noch ein Abstecher zu den berühmten Tempelruinen von Baalbek gemacht wird. So ist der Plan der meisten Touristen. Leider sind die so passierten Gegenden weder die schönsten des Landes noch die für die Kolonisation hauptsächtlich in Betracht kommenden. Aber wie wenige haben überhaupt den Wunsch, die Kolonisation des Landes kennen zu lernen! Durch den Bädeker wird ein solcher Wunsch kaum durch eine Andeutung angeregt, so daß selbst einige am Wege 118