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Palästina · 1910-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 112

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Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 6-7
Article
Eine Siedlungsgenossenschaft in Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 112 (sequence 6)
Language
German
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schwert ist) etc. Die Siedlungsgenossenschaft wird Menschen ansaugen, nicht abstoßen, wie dies heute in der gesamten Landwirtschaft Europas geschieht Durch die Siedlungsgenossenschaft wird jene Verbindung von Landwirtschaft und Gewerbe geschaffen werden, welche nach Ansicht aller Parteirichtungen das erstrebenswerte Ideal darstellt. Es ist an dieser Stelle unmöglich, die Theorie Oppenheimers ausführlich zu diskutieren, namentlich die Frage, ob wirklich die Genossenschaft stets geneigt sein wird, neue Zuzügler als „Genossen" aufzunehmen, ob sie diese nicht lieber doch als Arbeiter einsteilen wird u. s. w. Auch ist seine im Hinblick auf seßhafte Völker konstruierte Theorie nicht voll anwendbar auf das jüdische Volk, bei welchem nicht der Zug vom Land in die Stadt, sondern jener vom Land zu Land das Problem stellt. Wenn die Siedlungsgenossenschaften sich auch noch so bewährten, es wird immer flottante Proletariermassen geben, die nicht vom palästinensischen Lande, sondern von den Ghettozentren Osteuropas in die palästinensischen Städte strömen werden. Fürs erste handelt es sich wohl um den Versuch, ob tatsächlich auf dem von Oppenheimer angegebenem Wege die Ansiedlung besitzloser Proletarier möglich ist. Dies hängt von so mannigfachen Umständen ab, daß selbst das Gelingen des einen Falles durchaus nicht unbedingt als maßgebend für alle Fälle angesehen werden kann. Immerhin wird es von Wichtigkeit sein, die neue Betriebsform und die Spannkraft des genossenschaftlichen Geistes zu erproben. Auf dieses kommt es in erster Linie an. Es handelt sich darum, ob das Prinzip: einer für alle und alle für einen, das in die „antikollektivistischen Bauernschädel" der alten europäischen Bauernvölker mit ihrem tiefwurzelnden Eigentumsfanatismus nach Ansicht alier, selbst sozialistischer Autoren (David) heute absolut nicht hineinzubringen ist, nicht beim jüdischen Volke schöpferisch wirken kann. Das ist nicht unmöglich. Angesichts der sozialen Traditionen, die im Judentum von alterher wirksam sind und der neuen sozialen Theorien, die nirgends solche gläubige Aufnahme fanden, wie bei den jüdischen Massen, angesichts des furchtbaren Druckes, unter welchem diese stehen, der ein Gemeinsamkeitsgefühl von großer Kraft auslöst und gleichzeitig die Verfolgten zu heroischen Befreiungsversuchen anspornt, nicht zuletzt auch angesichts der Liebe zum alten Heimatsboden ist es nicht unmöglich, daß gerade das jüdische . Volk dazu berufen ist, die neue vielversprechende scziale.Form der landwirtschaftlichen Arbeiterproduktivgenossenschaft erfolgreich durchzuführen. Mit großem Interesse verfolgen auch nichtjüdische sozial interessierte Kreise den ersten Versuch Oppenheimers, der.in 112

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