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Palästina · 1910-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 109

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Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 6-7
Article
Eine Siedlungsgenossenschaft in Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 109 (sequence 3)
Language
German
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diese muß verwiesen werden, wer sich eingehender mit der interessanten Sozialtheorie Oppenheimers beschäftigen will. Er findet darin auch eine eingehende Widerlegung der gegen sie erhobenen Bedenken. Die weitverbreitete Ansicht, daß der erste praktische Versuch (in Wenigen-Lupnitz bei Eisenach) mißglückt ist, trifft nicht zu. Der Grund, warum derselbe nicht weiter verfolgt wurde, liegt darin, daß das betreffende Gut sich punkto Bodengüte nicht als geeignet erwies. Den Versuch in Palästina zu machen, empfiehlt Oppenheimer hauptsächlich aus folgenden Gründen: Er sieht den Kernpunkt des Problems der Proletarieransiedlung darin, auf welchem Wege diese die nötigen Mittel; resp. Kredite erlangen sollen, weiche die Kolonisation erfordert. An und für sich sind natürlich besitzlose Massen nicht kreditfähig. Oppenheimer glaubt nun, durch die soziale Form seiner Ansiedlung und die eigenartige Betriebsweise den Ertrag derselben weit über das übliche Ausmaß steigern zu können, so daß aus den hohen Erträgen die Rückzahlung der Kredite rasch erfolgen könnte. Werde dies an einem Versuch erhärtet, so würde sich leicht Kredit für Wiederholungen derselben im großen Stile finden lassen. Die große Prosperität des Unternehmens soll darin gefunden werden, daß durch Bewirtschaftung eines Großgutes seitens einer Arbeiterproduktivgenossenschaft die Vorteile des Kleinbetriebes mit jenen des Größbetriebes kombiniert und die Nachteile dieser Betriebsformen ausgeschaltet werden. Die Vorteile des Großbetriebes sind: Erspärung an Wirtschaftsgebäuden, an Land, das sonst an Grenzen und Feldwege verloren geht, Möglichkeit der Anstellung eines technischen Leiters, Vereinheitlichung der Produktion etc. Dagegen ist es ein schwerer Nachteil, daß der Großbetrieb mit Lohnarbeitern wirtschaftet, die kein Eigeninteresse an dem Gedeihen des Gutes haben. Dadurch kommt es, daß heute, wie allgemein zugegeben, die Klein- und Mittelwirtschaft dem Großbetrieb überlegen ist, weil der Bauer und seine Familie für die Bewirtschaftung des ihm selbst gehörigen geliebten Stückes Erde, die Wailung des Viehes etc. das Aeußerste tut. Wird aber, so kalkuliert Oppenheimer, ein Großbetrieb eingerichtet, dessen Besitzer die Arbeitergenossen selbst sind, so werden die Vorteile beider Betriebsarten vereinigt. Es ist anzunehmen, daß die Erträge ganz bedeutend die sonst in Groß- oder Kleinwirtschaft üblichen übersteigen werden. Das Steigen des Grundwertes wird zudem nicht dem einzelnen, sondern der Genossenschaft zufallen und diese durch wachsende Erträge, wachsenden Bodenwert und solidarische Haftung kreditfähiger werden, als es Großgrundbesitzer oder die zu verschiedenen Genossenschaften (die aber nicht Betriebs- oder Besitzgenossenschaften sind) zusammengeschlossenen Einzelbauern sind. 109

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