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Palästina · 1910-01-01 · Heft 6-7 · p. Seite 108

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Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 6-7
Article
Eine Siedlungsgenossenschaft in Palästina
Date
1910-01-01
Page
Seite 108 (sequence 2)
Language
German
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zu verspüren. Die JCA. arbeitet seit einiger Zeit wieder stärker in Palästina und — abgesehen von den Leistungen vieler kleiner Vereine — die zionistische Organisation sowie der Jüdische Nationalfonds haben endlich eingesehen, daß sie Instrumente zur Kolonisation schaffen müssen. Die Palestine Land Development Co. wurde installiert und in Betrieb gesetzt, die Gründung einer Agrarbank ins Auge gefaßt. Wird, was jetzt geschehen soll, die PLDC. mit den nötigen Mitteln ausgestattet, dann wird sie wenigstens jene Juden kolonisieren können, die über einige tausend Francs verfügen, eine Tätigkeit, welche die künftige Agrarbank in großem Stil wird fortführen können. Es handelt sich dabei um Schaffung von Bauernstellen mäßiger Größe, bei denen keine oder nur wenige Arbeiter beschäftigt werden. Selbstverständlich wird das Tempo dieser Kolonisation ein äußerst langsames sein. Für besitzlose Proletarier kommt diese Methode überhaupt nicht in Betracht. Diese aber bilden die Hauptmasse der jüdischen Emigranten aus den östlichen Ghetti. Als landwirtschaftliche Arbeiter haben sie in Palästina geringe Aussichten. Auch ist nicht anzunehmen, daß, wie immer sich die Bauernkolonisation in Palästina gestalten sollte, das Los des landwirtschaftlichen Arbeiters ein so gutes werden sollte, daß die Erscheinung der „Landflucht" nicht eintreten würde, wie in Europa überall. Unter diesem Umständen ist es wohl erklärlich, daß ein System, welches verspricht, eine Kolonisation mit völlig besitzlosen Proletariern rasch durchzuführen, seit jeher im Zionismus die größte Aufmerksamkeit erregte, umsomehr, als sein Schöpfer selbst Zionist ist. Es handelt sich um die „Siedlungsgenossenschaft" Franz Oppenheimers mit der nach Beschluß des Hamburger Zionistenkongresses 1909 ein Versuch in Palästina gemacht werden soll. Das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds hat erklärt, den in wirtschaftlichen Stand gesetzten Boden zur Verfügung zu stellen, wenn ein Genossenschaftsfonds von Frs. 100.000 in Anteilen ä Frs. 1000, die, falls der Versuch glückt, verzinst und zurückgezahlt werden sollen, aufgebracht wird. Kleinere Spenden sollen als Gaben des Nationalfonds angesehen und diesem verzinst und zurückgezahlt werden. Bis zur Stunde sind schon ca. M. 34.000 eingezahlt worden, weitere Zeichnungen von ca. M. 9000 sind vorhanden und die Sammlungen schreiten günstig fort. Trotzdem wäre eine Beschleunigung derselben nötig, damit im Herbst begonnen werden kann und nicht eine Saison verloren geht. Die Theorie der Siedlungsgenossenschaft hat Oppenheimer in zwei größeren Werken entwickelt („Die Siedlungsgenossenschaft", „Großgrundbesitz und soziale Frage"). Auf 108

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