Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus Asia
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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liebenden und biegsamen Gehölzes. Wenn die Abendsonne solche alte Bäume triff!, dann sind sie wie Menschen, die einen späten, aber seligen Frieden gefunden haben. * * * Nablus ist die anständigste Stadt zwischen Nazaret und Jerusalem. Tn ihrer Mitte stehen hohe moderne Häuser reicher Türken, von denen man uns erzählt, dass sie den Handel dieser Provinz in Händen haben. Ein Kaffeehaus mit Garten blickt nach dem Berge Ebal hinüber. In dichter Reihe sitzen die Männer mit dem Fez und der Nargileh, der Wasserpfeife. Leider glückte es uns nicht, einen Samaritaner mit rotem Turban zu entdecken. 180 Familien sind es, die noch am alten Samariterglauben festhalten, eine wahrhaft alte Garde der Religionsgeschichte. * * * Viel Mühe machte der Aufstieg zum Berge Garizim. Wir haben hinauf und herab drei Stunden gebraucht. Bei weniger Hitze mag es in kürzerer Zeit gelingen. Immerhin lohnte die Aussicht unsere Mühe. Vom Meere bis zu den Bergen Moab lag das Land unter uns, gleichsam eine lebendige Landkarle mit blauen, grauen und braunen Schattierungen. Zum erstenmale sahen wir hier die Wand der Moabiterberge, die uns nun bis Bethlehem und darüber hinaus nicht wieder verlässt Es scheint, dass ein alter genialer Engel sie gemalt hat, der noch innere Künstlerglut bei zitternder Hand besass. Er kannte das Geheimnis der geraden Linie. Solange er jung war, machte er Kurven, Wellen und Spitzen, nun aber setzte er am galiläischen Meere an und fuhr mit seiner alten Hand bis hin in die Gegend des Sinai. Man sieht jetzt noch am Horizont, wo die Hand schwankte. Einst hatte er auf seiner Palette alle Farben, jetzt abi r besass er nur noch zwei: grau und blau. Mit diesen zwei Farben dichtete er Schluchten, Risse und Schrunde des Gebirges Moab. Wir glauben, dass der Engel bald hernach gestorben ist, denn besseres kann mit zwei Farben kein Engel fertig bringen. * * * Der Jakobsbrunnen ist eine der Erinnerungsstätten, die echt sein kann. Schon dieses Gefühl wirkt wohltuend. Es ist denkbar, dass hier an der Zisterne, die, wie die Samariterin sagte, unser Vater Jakob gegraben hat, Jesus sass und über die Zeit redete, 21