Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus Asia
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 5)
- Language
- German
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da man weder auf dem Garizim noch in Jerusalem anbeten werde. Wie wunderlich klingt inmitten der orientalischen Wirtschaft das Wort: Gott ist Geist und die ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten! Bis an die Stufen des Jakobsbrunnens geht der Handel um den Bakschiseh. Es wurde angeboten, dass sich ein Mädchen um einen Türkenthaler (Medschidije) als Samariterin an den Brunnen setzen wolle, um sieh photographieren oder zeichnen zu lassen. Unser Zeichner verzichtete auf diesen Genuss. * An einem Abend hatten die Deutschen Jerusalems uns eingeladen. Es war die Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes, die den Andachtssaal der Tempiergemeinde mit deutschen Fahnen geschmückt und zum nationalen Festraum umgewandelt hatte. Kennen Sie eigentlich die Templer? Vor mehr als 30 Jahren wanderten unter Führung eines begabten, eigenartigen und wohl auch eigenwilligen Theologen Hofmann treue, tiefgläubige Württemberger aus, um in Palästina das „Reich Gottes zu bauen41. Welche Schwierigkeiten, Streite und Leiden diese Schar von Kreuzfahrern mit Pflug und Bibel erlebt haben, kann hier nicht erzählt werden. Es finden sich unter ihnen, wie in allen derartigen Gruppen, verschiedene Richtungen, doch scheinen die alten Reibungen augenblicklich glücklich überwunden. Unter allen Umständen müssen die Templer als der Kern der evangelischen Deutschen in Palästina gelten. Ihre Kolonien am Karmel in Jaffa und Sarona sind ein lebendiger Beweis davon, was deutscher Fleiss auch mit bescheidenen Mitteln im Orient erreichen kann. Glauben muss man, dann wird etwas. Die Haupterzeugnisse dieser Deutschen sind Weizen und Wein. Man sagt, dass sich im Laufe der Zeit der Wert ihrer Anlagen verzehnfacht hat. Sie würden gern ihre Tätigkeit weiter ausdehnen, wenn es nicht endlose Rechtsschwierigkeiten und einen schwer zu beseitigenden Mangel an Kapital gäbe. Die Rechtsschwierigkeiten haben in dem türkischen Wesen ihren Grund. Endlich nach langem Bitten und Warten sind die Grundbesitzverhältnisse einigermassen geregelt. Man hat festere Grundsätze für die Besteuerung der deutschen Kolonien gewonnen. Die deutschen Gemeinden sind selbständige Korporationen. Eins aber fehlt vollkommen: ein zuverlässiges Hypothekenrecht. Wer also Geld braucht, muss es unmässig teuer bezahlen. Ein wohlbegüterter, ansässiger Deutscher in Jerusalem sagte uns: Ich bezahle beim 22