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Palästina · 1910-01-01 · Heft 1 · p. Seite 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 1
Article
Aus Asia
Date
1910-01-01
Page
Seite 20 (sequence 3)
Language
German
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Flasche verkauft. Alles war warm. Nicht jeder konnte in dieser Lage Fleisch essen, aber Suppe, Eier und Rosinen hat keiner verachtet. Nach dem Essen kam die Abendandacht und nach ihr der Schlaf. Wer mit seinem Zeltbett zusammenbrach, lag auf der Erde. Geweckt wurden wir am folgenden Morgen durch die bewegliche Klage eines sächsischen Kandidaten der Theologie, der über die abscheuliche Kälte im Orient raisonnierte. Er hatte nicht ganz unrecht. Nach glühenden Tagen kann es nachts recht empfindlich kalt werden. * * * Ganz einzigartig war unser Aufenthalt in Sebastije, dem alten Samaria. Es steht dort eine gut erhaltene romanische Kreuzfahrerkirche, die zur türkischen Moschee verwandelt ist. Sie hat bei dieser Verwandlung von ihrer feinen keuschen Schönheit nichts verloren. In ihrem Vorhof steht, zwischen Steine geklemmt, eine Palme. Man steigt mehrere Stufen herab, durchschreitet das Portal und ist in der Welt der alten Johannitterritter. Dem Vorstand der Moschee machte unser Dragoman klar, ich sei in der Heimat dasselbe, was er hier sei. Darauf liess •ich ihn fragen, ob wir in der Moschee ein Loblied für Gott (Allah) singen dürften. Er antwortete: „Die Deutschen sind unsere Freunde" und gab seine Erlaubnis. Niemand von uns vergisst jemals, wie wir in dieser weltfernen romanischen Moschee gesungen haben: „O heiliger Geist, kehr bei uns ein." * * * Die Gegend zwischen Sebastije und Nablus war die landschaftlich schönste Partie des Landweges von Nazaret nach Jerusalem. Im übrigen bieten die Wellenberge mit ihrem grauglänzenden Gestein wenig besonders Anziehendes. Einzelne Stellen erinnerten in ihrer Zerklüftung an die Alpen der Gotthardgruppe. Überall fehlt Wasser. Das ist es, w-as den Teil zwischen den alten Städten Samaria und Sichern auszeichnet, dass hier Wasser und damit Gartenkultur auftritt. Das Auge empfindet es als Wohltat, etwas in Grün ausruhen zu können. Einige alte Ölbäume sind von wahrhaft abenteuerlicher Schönheit. Sie haben soviel Drehungen, Windungen, Schnörkel, dass es schwer ist, ihnen keine Seele zuzutrauen Wenn sie aber Seelen haben, dann sind es alte, geprüfte, durch vielerlei Schicksal hindurchgegangene Frauenseelen. Unter dem Schleier kleiner blaugrüner Blätter liegt das kaum zu entwirrende Geäst rachsüchtigen, zornigen, spöttischen, 20

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