Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus Asia
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Landes sich denken will. Fast nie sieht man ein wirklich feines Kleid, dagegen viel rohes, handgewebtes Leinen in blau, weiss und braun. Bisweilen kommen Armspangen vor, der gewöhnliche Anblick aber ist der des geplagten armen Weibes, von dem der Beduine sagt: „die Frau ist ein Gefäss*. Da Armut und Schönheit, wie jeder weiss, nur selten zusammengehören, so ist es nur natürlich', wenn wahrhaft schöne Gestalten an den stets weiblich bevölkerten Quelien nicht besonders häufig sind. Von Zeit zu Zeit nur sieht man ein paar Zähne, ein paar Augen, ein paar Wangen, die zum Zeichnen auffordern würden, wenn mir nicht bei der grossen Hitze das Zeichnen zu schwer geworden wäre. Obwohl ich das Skizzenbuch mit mir führte, habe ich von Damaskus bis Jerusalem wenig gezeichnet. Es war genug an der sonstigen Leistung. Unermüdlich aber zeichnete unserer wackerer schwäbischer Freund Hartmann. Er schien unverwundbar für die sengenden Strahlen. Wir sehen ihn vor uns, wie er im Gebirge Ephraim die Mädchen ordnete, um sie zu photographieren und wie er dann wieder auf seinem Braunen sass und vom Pferde herab Ölbäume, Feigenplantagen, Steinwände, Eseltreiber, Gebirgsrücken und wer weiss was sonst noch in sein Skizzenbuch eintrug. * * * Als die Dämmerung über die Ebene flog, atmeten die matten Lungen auf. Wir ritten und ssngen deutsche Volkslieder. Mit besonderem Empfinden klang die Strophe an die Berge Ephraim hinan: Fern in fremden Landen war ich auch, Bald bin ich heimgegangen, Heisse Luft und Durst dabei, Qual und Sorgen mancherlei; Nur nach Deutschland, ja nur nach Deutschland, Da tat mein Herz verengen. Auch Choräle wurden angestimmt, wie Ort und Zeit sie gaben. Der Weg zog sich wie ein langer grauer Streifen durch die Mondnacht. Endlich ritten wir durch das dreifache Tor von Dschenin. Neben uns schwankten eben die vorangesendeten Kameele mit unserem Vorrat. Auf dem Karawanenplatze standen die Zelte. Man wohnt gut unter Zelten und besinnt sich dabei wohl des eigentümlichen Ausdruckes im ersten Kapitel des Johannes: „Das Wort ward Fleisch und zeltete unter uns." Bier und Mineralwasser wurde von einem Syrer zu zwei Francs die 19