Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus Asia
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2379786-2379827-2379829-2415075--02819-2415124- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
B. Friedrich Naumann. Aus Asia. Von Nazaret ging unser Weg abwärts zur Ebene Jesreel- Links ist die halbkreisförmige Kuppe des Tabor, rechts senkt sich blau zum Meer der Kännel, dessen Hotel dem Fernglas offen liegt und dessen Eliaserinnerungen den Sinn beschäftigen. Elias war so wie diese Natur: kantig, herb, gerissen, vulkanisch. Auf der Ebene Jesreel suchten die Mannen Ahabs den revolutionären Propheten. Sonst hat man hier ungezählte Schlachten geschlagen von Debora bis Napoleon. Auf dem Berge Gilboa sanken Saul und Absalom in den Tod. Es ist nicht fern, wo Jephtas Tochter blutig oder unblutig sich opfern Hess. Wo mag Joseph gegangen sein, als er von Sichern nach Dothan wanderte? Immer wieder wurden biblische Erinnerungen hervorgeholt, wir glauben aber dem Leser einen Dienst zu tun, wenn wir nicht jede solche Erinnerung aufzeichnen, denn dem Leser fehlt ja eben das, was uns die Erinnerung belebte, das kurze Wörtlein: Hier ist es gewesen! So ungern wir in Kirchen, Krypten und Gemächern gehen, wo man für Geld entweder etwas von Paulus oder etwas von Johannes sehen kann (meist ist es Schwindel), so gern bevölkern wir uns das freie Land mit den Gestalten der Vergangenheit, indem uns dabei das Gesicht der längst ruhenden Lehrer aufsteigt, von denen wir die Geschichten der israelitischen Urväter, Propheten und Apostel zuerst gehört haben. * * * Mitten in der Ebene Jesreel liegt bei einer Karawanenkreuzung eine Quelle. Es ist unglaublich, was für Wasser man sich in Palästina zu trinken entsehliessen kann. Man sieht den Staub und das Stroh im Kruge schwimmen und trinkt doch. Der Körper braucht, besonders in den ersten Tagen des Aufenthaltes, viel Feuchtigkeit, denn die Luft zehrt gierig an der menschlichen Nässe. Die meisten von uns haben Schleier um den Kopf geschlungen, einige legen nasse Taschentücher über das Gesicht, Pferde und Menschen schlürfen aus demselben Rinnsal. Dabei aber stehen und sitzen die Weiber und Töchter des traurigen Nestes, zu dem die Quelle gehört. Wer einmal glänzende Buntdrucke gesehen hat, die rot und blau gekleidete Orientalinnen darstellen, der streiche diese glatten, brennenden Bilder völlig aus seiner Phantasie, falls er die eingeborenen Frauen des platten 18