Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 7 (1910)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die kulturelle Neuentwicklung Palästinas
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Stuttgart begründeten „Gesellschaft zur Förderang der deutschen Ansiedlungen in Palästina, G. m. b. EL", vor einigen Jahren begann) haben nicht nur in relativ kürzester Zeit das von ihnen erworbene Acker-, Weinberg- und Gartengelände so vorteilhaft bewirtschaftet, dass z. B. der von ihnen in reicher Menge erbaute Wein ein gesuchter Export-, resp. Handelsartikel geworden, sondern sie sind auch — dank dem Umstände, dass sie durchweg dem Handwerker- und Kaufmannsstande angehören — die' Bahnbrecher für die Industrie in Palästina geworden. Sie stehen so bis heute in ihren sämtlichen palästinensischen Kolonien mit ihren Zementwaren und Seifen-Fabriken, mit ihren Dampfmühlenbetrieben, Bierbrauereien etc. an erster Stelle. Sie haben eben klug die Tatsache ausgenutzt, dass mit günstigen Acker- und Gartenbau-, sowie Viehzucht-Verhältnissen eines Landes bei seinen Bewohnern auch die Bedürfnisse und die Kaufkraft wachsen. Aus der amtlich erfolgten Angabe, dass der Gesamtbesitz der in Haifa ansässig gewordenen 550 Templer z. Z. einen Wert von 2'/2 Millionen Mk. repäsentiert, kann man auch schon schliessen, dass die Kulturpioniere in Palästina nicht vergeblich arbeiten. Und es bestätigt sich auch hier, dass ein Finanzinstitut die Arbeit der Kulturpioniere bedeutungsvoll unterstützen und beschleunigen kann, und zwar besonders dann, wenn es aktiv für die Kulturprojekte sich interessiert. So hat die „Deutsche Palästinabank'- sich hervorragend finanziell beteiligt, als im vergangenen Jahre die Templer im Hinterland von Haifa eine Reihe von Landkäufen abgeschlossen haben. Diese erstreckten sich u. a. auch auf Medschdel am See Tiberias, das biblische Megdala, welches als ein an Quellen reiches Land schon vorzeiten bekannt war und als solches heute noch zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Wenn die kulturelle Neuerschliessung eines Landes von privaten Körperschaften ausgeht, wie dies bis jetzt auch für Palästina zutrifft, so können Staatsregierungen sehr nutzreich sich dadurch erweisen, dass sie bei Kongressen resp. auf üblichem consularischeni Gesellschafts weg durch internationale Vereinbarungen ihren Untertanen Vorzüge vor den Eingeborenen verschaffen. Es ist dies auch zwischen Deutschland und der Türkei geschehen, welche in ihren Schutzgebieten ganz speziell die deutschen Kulturpioniere willkommen heisst und ihnen gern Privilegien einräumt. Denn es hat sich ja ihre Arbeitsfreudigkeit und -Ausdauer schon bewährt und es ist auch bekannt, dass sie 12