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Palästina · 1910-01-01 · Heft 1 · p. Seite 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 1
Article
Ein Land, darinnen Milch und Honig fliesst
Date
1910-01-01
Page
Seite 7 (sequence 4)
Language
German
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zu leisten vermag, das beweist die Bienenzucht der Deutschen. Im Jahre 1849 wanderte „der Imker Palästinas", der jüngst verstorbene Elsässer Henri Baldensperger, im Lande ein und erwarb von den Eingeborenen einige Stöcke. Sie brachten zunächst wenig Erfolg. Da entschloss er sich 1S83, den Standort der Bienen planmässig zu wechseln. Im Februar beuteten seine Völker die Aprikosen - und Mandelblüte bei R.amle aus, dann trugen Frauen die Stöcke auf dem Kopf 20 km weiter in die Orangenhaine bei Jaffa. Das brachte im April die zweite Ernte von Orangenblütenhonig. Dann musste die Ebene Saron die Süssigkeit ihrer Senf-, Kaktus- und Akazienblüten hergeben, und zuletzt wurde die Ernte von den Bananen und dem wilden Thymian eingeheimst. So werden vier Honigtrachten im Jahr (= 50 kg pro. Stock) erzielt, wobei allerdings auch eine Reihe von Schwierigkeiten zu überwinden ist, unter denen das beduinengleiche Umherziehen nach Futterplätzen noch nicht die grösste ist. Das Klima Palästinas ist der Biene günstig, sie kommt auch im Sommer ohne Pflege fort. Doch sind heute angesichts der Entholzung des Landes Schwärme von wilden Bienen selten. Anders in alter Zeit. Bei dem Honig der Bibel werden wir zumeist an den sog. wilden Honig und weniger an den Erlrag der Bienenzucht zu denken haben, da nicht einmal deren Kenntnis im Volke Israel erwiesen ist. Dagegen biidete der „wilde Honig" für Johannes den Täufer und wohl auch für andere Landbewohner ein Nahrungsmittel (Mark. 1, 6). Wilde Bienen bauten in den Felsspalten des Gebirges (5. Mose 32, 13) und in hohlen Bäumen (1. Sam. 14, 25); und wenn die Waben eines solchen Baues voll Honig waren, dann ergoss sich wohl der köstliche Saft über die Erde („Honigseim" Pf. 19, 11). Man könnte daran denken, um aus diesem Vorgang den Ausdruck der Bibel: „das Land fliesst von Honig" (so wörtlich) buchstäblich zu erklären. Derselbe Vorgang wäre dann uneigentlich auch auf die Milch übertragen. Immerhin mag dahingestellt bleiben, ob Palästina in alten Zeiten als ein Land des Honigs charakterisiert werden konnte. Andere erklären daher anders. Sie weisen darauf hin, dass der Fellache heute zum Honig ausser dem Erzeugnis der Biene auch die aus ungegorenem Traubensaft bereitete Melasse , den sog. Traübenhonig rechnet. Er hat Ähnlichkeit mit unserm Sirup und wird genossen, indem man Brot darein tunkt. Im Libanon und auch um Hebron wird er massenhaft bereitet und in grossen 7

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