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Palästina · 1910-01-01 · Heft 1 · p. Seite 8

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Journal
Palästina
Volume
7 (1910)
Issue
Heft 1
Article
Ein Land, darinnen Milch und Honig fliesst
Date
1910-01-01
Page
Seite 8 (sequence 5)
Language
German
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Tongefässen oder eingehauenen Felsgruben aufbewahrt. Diese Annahme scheint der Schwierigkeit abzuhelfen, da Palästina ohne Frage mehr ein Rebenals ein Bienenland ist. Allein es ist sehr zweifelhaft, ob im Altertum dieses Einkochen des Traubensaftes bereits üblich war; in der Bibel ist nirgends davon die Rede. Und ausserdem nimmt die Redensart von dem Lande, das von Milch und Honig fliesst, die etwa 20 mal in der Bibel wiederkehrt, doch offenbar auf die Fruchtbarkeit des Bodens infolge menschlicher Bebauung gar keinen Bezug, sondern will das „Land", und nicht das Tun der Menschenhände kennzeichnen. So muss es dahingestellt bleiben, ob Milch und Honig, die Gaben, die das Land in der Tat zu bestimmten Zeiten und unter bestimmten Umständen in Fülle zu bieten vermag, hier gemeint sind als die Hauptprodukte des Bodens, so dass also Palästina, gerühmt würde als ein Gebiet, das, dank seinen vortrefflichen Weideplätzen, eine Menge Vieh ernährt und dank seinem Reichtum an würzigen Blüten ein Bienenland ist, oder ob es eine seit alten Zeiten gangbare Redensart war zur Bezeichnung eines Landes, in dem es „gut sein" ist, weil es da reichlich zu leben gibt und an allerhand Gaumengenüssen nicht fehlt. Dass Palästina noch wieder werden kann, was es einst war, ein „gutes Land" (5. Mose 4, 21) mit all dem Reichtum an Wasser, an Getreide, an Fruchtbäumen und Erzgruben, der 5. Mose 8, 7—9 geschildert wird, das beweisen schon jetzt die Erfolge einer rationellen Land- und Obstwirtschaft in den deutschen und jüdischen Kolonien; das bestätigen die deutschen Konsulatsberichte von Jaffa und Haifa1), und das wird auch in Zukunft die fortgehende wirtschaftliche und industrielle Erschliessung des Landes erweisen. Palästina hat eine Zukunft, diese Überzeugung ist nachgerade Gemeingut derer geworden, die das Land kennen. Der ärgste Feind des Kulturfortschrittes war bis vor kurzem das türkische Regierungssystem selber. Erhoffen wir von der Einführung der Verfassung und dem ehrlichen und stetigen Willen der heutigen Regierung einen materiellen und moralischen Aufschwung für das „gelobte Land". *) Z. B. Bericht von Jaffa 1902: „Bei der Fruchtbarkeit des Bodens im allgemeinen könnte das Land sich zu einer reichen und auch wirtschaftlich bedeutenden Provinz des iürkischen Reiches entwickeln/' Oder von Karfa, 1905: ..Namentlich die deutschen Kolonien liefern den Beweis, dass Acker- und Gartenbau in diesem Lande noch eine grosse Zukunft haben". 8 <ü§§

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