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Palästina · 1927-01-01 · Heft 12 · p. Seite 618

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Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 12
Article
[Rezension] / a. b.
Date
1927-01-01
Page
Seite 618 (sequence 3)
Language
German
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618 m der Weise entwickelt, daß er als Machtfaktor der zu 80 Prozent aus Arabern bestehenden Bevölkerung in Frage käme." Man staunt über dife Fixigkeit und Sicherheit des Urteils zu einer Zeit, wo der Zionismus in wenigen Jahren »von aller Welt angestaunte Leistungen 'Vollbracht hat und die jüdische Arbeit der ■•hauptsächlich bestimmende Faktor für die Entwicklung Palästinas geworden ist. Schade, daß Kolonialminister Amery nicht das Buch Seidels gelesen hat, sonst hätte er nicht ein Jahr später bei einer Rede betont, daß England Palästina schon wegen des Suezkanals nicht verlassen kann und daß er die jüdischen Leistungen im Lande bewundere. Gegenüber der „hoffnungslosen44 Lage des (Zionismus setze sich die iPanarabische Bewegung durch (wo und wie?). „Sofort verläßt England seinen zionistischen Standpunkt.44 Man traut seinen Augen nicht! (England hat erstens..«nie einen „rein zionistischen44 Standpunkt - gehabt, sonst gäbe es keine Beschwerden der Zioaiisten,- zweitens aiber ist England diesen Beschwerden gegenüber in letzter Zeit tviel entgegenkommender gewesen. Dies ist eine Abkehr? Zum Glück sagte Amery ein Jahr nach Seidels „Feststellung44, daß keine englische Regierung jemals einen Fußbreit von der Balfour-Deklaration abweichen werde. Seidel begründet seine These damit, daß einmal im Jahre 1 9 24 Lord JReglan im englischen Oberhaus — man denke nur! — offen für die arabischen Interessen eingetreten sei und dergl. mehr. Man sieht leider wieder, wie ungeschult der Deutsche in Beurteilung weltpolitischer Fragen ist. Was der Autor da schreibt, ist Kannegießerei. „Die Wucht des andrängenden Großarabertums", ,„der zur Wirkungslosigkeit verurteilte (!) zionistische Flarikenschutz des Suezkanals44 (Bekanntlich, ist 2^mismus die Idee, den Suezkanal zu schützen)* England nimmt den (Kamipt gegen das französische Syrien auf (wo, wann und wie?).. Hussein sei zum Kalifen von Reuters Gnaden gemacht worden^ um ein „englisch-mohaimmedanisches Supremat44 zu schaffen, welches dürch diesen auf religiösem Gebiet liegenden Zusammenhang eine einheitliche feste Grundlage erhält44. Dies «klingt beinahe, witzblattmäßig. Erstens rhat England Hussein niemals das Kalifat übertragen, weil England dies gar micht imstande ist. Hussein hat sich selbst zürn Kalifen proklamiert Zweitens hat England Hussein ruhig (fallen lassen, als Ibn Saud, der nach Seidel der Kämpe '.Frankreichs gegen England istv ihn besiegte, hat Hussein sogar auf Cyipern interniert und mit dem Franzosenkämipen Ibn Saud einen Vertrag geschlossen. Drittens ist eine „englisch-mohammedanische Suprematie auf einheitlicher religiöser Grundlage'4 ein Unding. Wir verlassen diesen unerquicklichen Ausflug Seidels in die We'ltpolitik und wenden uns seiner Beurteilung des Zionismus zu. Zunächst gibt er wieder veraltete Ziffern, spricht 1926 von einem ^Rückgang der Einwanderung", weil 19.23 weniger Juden einwanderten als 1922! Daß bis zum Erscheinen des Buches abzüglich der Auswanderer rund 50.000 Juden eingewandert sind, darüber scheint sich Seidel bei Albfassung seines JBuches, 1926, gar nicht weiter informiert zu haben. — Er ffiührt weiter richtig aus, daß die Landwirtschaft die Basis der Ansiedlung sein muß, was große Kosten verursache. — Er spricht dann ivon dem zunehmenden Einfluß der Juden gegenüber den Arabern im palästinensischen Staatsdienst, eine Entdeckung, für die man ihm dankbar sein könnte, wenn nicht das Gegen-- teil der Fall wäre. Uribegreiflicherweise rechnet er nämlich die christlichen. (Beamten den Engländern zu, während es sich hauptsächlich um christliche Araiber handelt. — Seidel zollt dem' ijüdischen Kulturwerk, das dem ganzen Lande Nutzen bringt, Lob, verfällt aber gleich darauf wieder in eine Oberflächlichkeit sondergleichen und ein falsches Prophezeien. Er sagt, er kenne die Gesamtsumme der jüdischen Kapitalien nicht, die ins Land geströmt seien, wohl aber liegen die Ziffern der Nationalfondssipenden vor. (Der K. H. existiert also für Seidel nicht, ebenso nicht die ins Land geströmten Millionen Pfund privater jüdischer Kapitalien.) Da die Einnahmen des K. K. L. 19-22 auf 80.000 Pfund gesunken seien, sagt Seidel, „daß dieser Zustrom von Geldmitteln seinen Kulminationspunkt überschritten hat und nun jäh abfällt.44 Die Wirklichkeit hat diese Prophe-

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