Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Frage der Vereinigung der Arbeiterparteien ("Ichud")
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 585 (sequence 5)
- Language
- German
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585 von diesem Bewußtsein durchdrungen, wozu in den letzten Jahren insbesondere die Erziehungstätigkeit der Heehäluz-Organisationen beigetragen hat. Doch kann dieses Moment im Lande beim fortwährenden Zusammenstoß mit der nur allzu pft grausamen Wirklichkeit trotz aller. Bemühungen nicht das ausschlaggebende bleiben. Es kann es in erster Reihe dort nicht, wo dem Arbeiter der individuelle Unternehmer, gegenübersteht, den das ganz natürliche Profitstreben immer wieder in Gegensatz^ zu der Arbeiterschaft bringt, mag er selbst auch, in den meisten Fällen zionistisch gesinnt sein. Dieser Zusammenprall von verschiedenen Interessen, der die Psychologie des Arbeiters1 notwendigerweise tief beeinflussen muß, fällt nur da fort, wo es überhaupt keinen individuellen Arbeitgeber gibt, sondern die kolonisatorische Arbeit von der zionistischen (oder auch einer anderen nationalen gesellschaftlichen) Organisation. entweder unmittelbar oder aber im Wege von freien .Arbeitsgenossenschaften geführt wird. Dies war in der landwirtschaftlichen Kolonisationsarbeit lange Jahre hindurch die einzige und ist bis zum heutigen Tage die weitaus überwiegende Form geblieben. So hat sich der Typus des jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiters herausgebildet, für den noch immer das Pioniermoment das entscheidende ist und bei dem .Klassenmomente nur sehr wenig in Betracht kommen. Und selbst der Koloniearbeiter, dem doch ein individueller und in vielen Fällen sicher nicht der beste Arbeitgebergegenübersteht, steht unter der stärksten Einwirkung einer derartigen Einstellung, da er in seiner Arbeit nur eine vorübergehende Etappe in seinem Leben sieht, dessen Endziel die Einordnung in eine freie Genossenschaft bildet. Ausschlaggebend ist also in all diesen Fällen nicht «die Eigenart der Arbeit selbst, sondern deren Form, mag auch zugegeben werden, daß die landwirtschaftliche Arbeit, als solche, da sie den einzelnen mit dem palästinensischen Grund und Boden verknüpft, auch das ihrige zur Stäfkung der nationalen Einstellung beiträgt. Ganz anders ist die Sachlage in den Städten. Die unmittelbare nationale kolonisatorische Tätigkeit ist hier über die ersten Anfänge nicht hinausgekommen, freie Arbeitergenossenschaften in den palästinensischen Städten gibt es nur sehr wenige, und auch sie sind nicht immer mit nationalen Geldern ins Leben gerufen worden; das Gros der Arbeiterschaft ist in den privaten Betrieben beschäftigt und ist dort mehr oder minder fest verwurzelt. Die Entwicklung von Klässenmomenten ist hier eine ganz natürliche Erscheinung,-die auch durch die intensive Erziehungsarbeit nur abgeschwächt, bezw. in eine andere Richtung gelenkt, keineswegs aber paralysiert werden kann. Der Typus des städtischen Arbeiters, der, um mit den gegenwärtigen europäischen Begriffen zu operieren, auf einer viel „normaleren" Basis entstanden ist, hat sich daher auch der Einstellung und der Mentalität des europäischen Arbeiters viel mehr genähert. Die anscheinend merkwürdige Tatsache, daß der überwiegende Teil dieser Arbeiterschaft trotzdem der Achduth-Haawoda