Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1927-01-01 · Heft 12 · p. Seite 563

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
10 (1927)
Issue
Heft 12
Article
Jubiläumsrückschau
Date
1927-01-01
Page
Seite 563 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2379786-2379858-2379866-2414717--06011-2414920
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

563 So sah das jüdische Palästina vor 30 Jahren aus, nach den ersten 15 Jahren, einer : immerhin zielstrebigen ..Kolanisationsarbeit. Diese war übrigens eine vollkommen illegale: Einwanderung und Landtetuf durch Juden waren vom Sultan strenge verboten worden, nur durch juristische Umwege und iBeamtenbestechungen konnte überhaupt etwas vollbracht werden.. / , . Th^odoT Herzfl, der Schöpfer des politischen Zionismus, verwarf diese Methode und proklamierte öffentlich die'Ziele des Zionismus, deren Formulierung am 1. Kongreß im „Basler Programm" geschah. Er .'stellte die Maxime auf, daß vor Erlangung des Charters (heute würden wir sagen: des Mandats) die Organisation in Palästina keinerlei praktische Arbeit leisten dürfe. An den bisherigen Methoden jüdischer Kolonisatianstätigkeit, der illegalen «und unwürdigen „Infiltration" und dem jede Initiative ertötenden Philanthropiesystem wurde von ihm und seinen Anhängern die schärfste Kritik geübt. Baron Rothschild und die „Chowewe Zion"-Vereine arbeiteten aber in Palästina weiter. Der erstere erkannte selbst die Schäden der 'philanthropischen Methode und übergab die Verwaltung der durch ihn unterstützten Kolonien am 1. Jänner 1900 der Jewish Colonisation Association (I. C. A.). Diese führte viele Verbesserungen 'durch und machte auch den Versuch mit der Anlage von Getreidebauernkolonien auf größeren Flächen in Galiläa.- Doch auch in diese drang die arabische Arbeit ein. Das traurigste Kapitel der Kolonisationsgeschichte aber war die damalige A u sw a n tderung d e r J u g e n d. Wohl gab es seitens der Kolonisatoren vereinzelte Versuche, die junge Generation anzusiedeln, aber der Hauptteil der. jungen Leute wanderte ab und aus. Hiezu trug nicht wenig das Schulsystem bei, mit welchem die auswärtigen Hilfsgeseillscihaften die Jugend mit deutscher, französischer -und englischer Bildung aufzogen und nicht für das Land selbst erzogen. Dies gilt sogar für die Landwirtschaftsschule „Mikweh Israel" bei Jaffa, damals mit französischer Unterrichtssprache, die Agronomen ausbildete, für welche Palästina keinen Platz hatte und die daher nach Uebersee wanderten. Es kann hier nicht die Geschichte der jüdischen Kolonisation gegeben wenden. Nur einige für den Rückblick, wichtige Daten seien noch erwähnt. Nach der ersten russischen Revolution 1904-5 setzte die „zweite Aljah" ein, zunächst waren es einige hunderte von jungen Pionieren, die einen frischen Zug in den „überalterten- Jischuw brachten und nicht nur nationale, sondern auch soziale Ideale in Palästina verkörpern wollten. Vor allem verkündigten sie das Evangelium der Arbeit. Die Landarbeit in den jüdischen Kolonien dürfe nicht von Arabern, sondern müsse von Juden geleistet werden. Leider aber schlugen ihre Versuche zur „Eroberung der Arbeit" (Kibbusch ha Awoda) zum größten Teil fehl. Mit dem völlig bedürfnislosen arabischen Saisonarbeiter konnte der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.