Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 10 (1927)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Jubiläumsrückschau
- Date
- 1927-01-01
- Page
- Seite 562 (sequence 2)
- Language
- German
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562 •einer Periode .. stürmischen yÄwärtsdrärLgens ]in 4er 'Palästina- Arbeit gäbigt war. Infolgedessen -"hat beif diesen Beiern die Rückschau auf das einst Gewesene fast vollständig gefehlt, vielmehr waren sie zumeist der kritischen Einsicht in «.das nunmehr Notwendige gewidmet. Allein gerade eine solche Rückschau .auf das Gewesene hätte zur Belebung des Mutes und zur Stärkung der Zuversicht, beigetragen, bie Unzufriedenheit mit dem heutigen Zustand im Vergleich mit dem Erstrebten und Erwünschten darf nicht ungerecht gegen das tatsächlich Erreichte machen. Deshalb sei kurz rekapituliert, welche fundamentalen Aenderangen durch die Arbeit weniger Jahre, 1920-21 -fois 1925-26, im jüdischen! Palästina vollzogen wurden. Vor dreißig Jahren, zur Zeit des ersten Kongresses, hatte die jüdische Kolonisation, wenn man die vereinzelten Ansiedlungs- - versuche vor 1882 unberücksichtigt läßt, bereits eine Geschichte von fünfzehn Jahren hinter sich. 1882 war bekanntlich die „erste" Aljah (Einwanderung) der Bilupioniere und die Gründung der ersten •Kolonien erfolgt, die bald vor unüberwindlichen Schwierig-,, keiten standen und durch das großherzige Eingreifen von Baron Edmond Rothschild, Paris, gerettet und ausgebaut werden konnten. Nach diesen 15 Jahren, in denen Rothschild bedeutende Mittel^ investiert hatte (seine Aufwendungen bis zum Kriege, wovon der größte Teil Ms 1900 verausgabt wurde, werden auf über drei Millionen Pfund geschätzt) und -auch die Chowewe Ziönvereine die Kolonien unterstützt hatten, war -nach einem Bericht Leo Motzkins am zweiten % Zionistenkongreß 1898 (siehe Protokoll des-' selben Seite 99 ff.) der Stand der Kolonien der folgende: Fläche 268.278 Dunam, 19 Siedlungen, zirka 4500 Einwohner. Die Kolonien waren fast ausschließlich «auf Pflanzungswirtschaft basiert, die mit arabischen Arbeitskräften betrieben wurde, ferner waren sie auf philanthropischer Basis eingerichtet. In den Städten lebten damals zirka 45.000 Juden (in Jerusalem 28.000, in Safed 6600, in Tiberias 3200, in Hebron -und Haifa je 1400, in Sidon 800). Aber diese nicht unbedeutende Zahl von Juden in den Städten stellte^ fast ausschließlich eine verarmte und verelendete Bevölkerung dar, »die meist >aus solchen Menschen bestand, die -nach den heiligen Stätten gezogen waren, um dort zu beten oder zu sterben und die jämmerlich kleine Unterstützungen von wenigen Goldfrancs im Jahr von den ,,Chalukka"-Organ!i:S!ationen erhielten. Den Rest ihres unsäglich kärglichen Unterhaltes verdienten sie sich teils durch einen -großangelegten iBettelbetriefr, teils durch Kleinhandel, Kileinhandwerk, zufällige Arbeit ialler Art usw. An Schulen fand Motzkin 29 Anstalten vor, von denen bloß 6 hebräische Unterrichtssprache hatten. Die letzteren waren Gründungen der Chowewe Zion, unter Einfluß von Achad Haam entstanden. Die erste hebräische Anstalt in Palästina war eine 1902 gegründete Mädchenschule in Jaffa.