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Palästina · 1938-02-01 · Heft 2 (Februar 1938) · p. Seite 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
21 (1938)
Issue
Heft 2 (Februar 1938)
Article
[Rezension] / l. r. m.
Date
1938-02-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
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Die Behandlung der Kolonial fra?»e ist in diesem Buche in dynamischem Sinn durchgeführt; es wird in der ganzen Darstellung immer wieder zum Ausdruck gebracht, daß die Kolonien an einer Entwicklung teilhaben sollen, die in die Richtung einer eigenständigen, allmählich immer selbständigeren Herausarbeitung einer Individualität für jede einzelne Kolonie oder Gruppe von Kolonien geht. Dies gilt für Wirtschaft. Kultur und Politik. Zugleich wird aber das Kolonialproblem auch in dem Sinne dynamisch behandelt, daß Wert darauf gelegt wird, Wege zu zeigen, die es ermöglichen sollen, den kolonialhungrigen Völkern ein entsprechendes Betätigungsfeld zu geben. Um ihre Bedürfnisse zu befriedigen, würden diese Völker in den ihnen übergebenen Gebieten ein autoritäres Regime der äußersten Ausnutzung aller Ressourcen an Menschen wie Rohstoffen einführen, das in seinen Wirkungen weit über die Grenzen dieser Gebiete hinausgreifen und jedenfalls weder indirekte Herrschaft'4, noch „Assimilation" als Verwaltungsgrundsatz anerkennen würde. Die Stammesorganisationen und Einrichtungen in den dünn besiedelten Kolonien Afrikas, die seit Jahrzehnten das Sorgenkind ihrer Verwaltungen sind, würden das Ausbeurungssystem neuer Kolonialmächte nicht überleben. So müßte notwendigerweise die empfohlene Dynamik der Entwicklung, vor allem der afrikanischen Kolonien, in unheilbaren Widerspruch zur gleichfalls vorgeschlagenen Dynamik des größeren Anteiles der kolonialhungrigen Mächte gerate», denn diese können, wenn sie wirklicli greifbare Vorteile von des* Kolonien haben wollen, auf die Eingeborenen keine Rücksicht nehmen. In diesem Zusammenhang wäre es angezeigt gewesen, auf die Verhältnisse in Lybien hinzuweisen, wie sie in Knud Holmboes Buch dargestellt sind. Schon heute besteht in Afrika ein Beispiel für d'e;en Widerspruch: die Eingtborenenpolitik der Südafrikanischen Union macht die Uebertragung der britischen Enklaven an diese nur bei Verzicht auf die nun schon traditionelle EJjijgeborenenpolitik möglich. Die Eingeborenenpolitik der Union würde sogar im Falle der Rüekübertragung afrikanischer Kolonien an Deutschland das moralische Recht auf Kritik künftiger Eingeborenenpolitik dieses Staates ziemlich vermindern. Das letzte Kapitel des Buches zeigt, daß für weiße Besiedlung hauptsächlich die Hochländer Afrikas in Betracht kommen. Anerkennt man die Notwendigkeit, den Bevölkerungsdruck in Europa zu erleichtern, und schaltet man die praktisch souveränen Dominions aus — was in Mitteleuropa ebenfalls auf wenig Verständnis stoßen wird — so hätte die Frage der Ausdehnung des Mandatssystems genauer behandelt und gerade im Hinblick auf das Pajästinamandat bejaht werden müssen. Dieses Mandat hätte eine wohlwollende und weniger oberflächliche Würdigung verdient. Palästina ist das bisher einzige „gebundene" A Mandat, das ,den Zweck hat, die Ansicdlung der Juden zu fördern, die übrigens keine Fremden im Lande sind, wie es an einer Stelle des Buches behauptet wird. Die besonderen Verhältnisse haben die Jewish Agency geschaffen, die eine dynamische Politik der Ausdehnung der jüdschen Siedlung verfolgt und die Mandatsverwaltung, die diese zulassen und fördern soll, auf Grund der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes und unter Wahrung der Rechte der arabischen Bevölkerung. Organisierte und durch Körperschaften vertretene Einwanderung, der anerkannte Grundsatz der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit, Schutz der Interessen der Eingeborenen durch die Kolonialverwaltung, Kontrolle durch den Völkerbund und Oeffentliclikeit im Palästinamandat — in diesem gebundenen A Mandat liegen alle diese Elemente für eine

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