Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1938)
- Article
- Betrachtungen über die Triebkräfte der jüdischen Wirtschaft
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 60 (sequence 10)
- Language
- German
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Produktionsbedingungen (Löhne, Mieten, Preise etc.) hat unter anderem die englische Verwaltung bewogen, den Standpunkt eines passiven Zuschauers einzunehmen. Die Regierung in Palästina kennt keine direkte Sorge für die Wirtschaft (mit teilweiser Ausnahme der arabischen Landwirtschaft). Die notwendigen Regierungsmaßnahmen in Palästina sind in der Regel das Ergebnis eines langen Kampfes des betreffenden Wirtschaftszweiges mit der Regierung (Wegbauten lange nach Besiedlung eines Gebietes, Schutzzolle nach langjähriger Dumpingkonkurrenz). Unter diesen Umstanden, nämlich bei der Passivität der Regierung, kommt den „expansiven Faktoren" noch eine weit größere Bedeutung zu als sie ohnehin schon haben. Die Einwanderer, die als Konsumenten den Markt vergrößern und als Produzenten den Produktionsapparat erweitern, müssen mit ihrem Elan die Passivität der Regierung überwinden und sie zu Maßnahmen drängen, die in anderen Ländern die Regierung von sich aus gern und schnell ergreift. Wir sehen, daß zwischen den „expansiven Faktoren" und den „Produktionsbedingungen" Wechselwirkungen bestehen. Im einzelnen kann darauf im Rahmen dieses Artikels, der den Einfluß der wesentlichsten Faktoren darstellen will, nicht eingegangen werden. Wir müssen aber noch auf ein Element der Produktionsbedingungen hinweisen, nämlich auf den „Lebensstandard", der, obwohl stark von den anderen Faktoren beeinflußt, eine selbständige Bedeutung besitzt. Der „Lebensstandard" der jüdischen Bevölkerung bestimmt nicht nur ihre Kaufkraft, sondern teilweise auch die Produktionskosten der Wirtschaft. Diese doppelte Funktion macht seine Bewertung außerordentlich schwierig. Es genügt in diesem Zusammenhang darauf hinzuweisen, daß auch der Lebensstandard vielfach dem Trend der expansiven Faktoren folgt und in Zeiten großer Einwanderung Nominallöhne und teilweise auch Reallöhne eine Steigerung aufweisen. Der jüdische Lebensstandard in Palästina ist sozusagen eingeführt. Er ist nicht das Ergebnis der lokalen Wirtschaft, sondern die ursprüngliche Lebensform der Einwanderung. Würde er nämlich im jüdischen Palästina weit unter den Lebensstandard der Herkunftsländer fallen, so würde jede Masseneinwanderung — zumindest aus Europa — aufhören. Der Lebensstandard der Herkunftsländer bestimmt daher seine Minimalhöhe. Andererseits ist der weit tiefere Lebensstandard der arabischen Bevölkerung Palästinas und der umliegenden Länder ein definitives Hindernis für eine Steigerung des Lebensstandards.