Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1938)
- Article
- Betrachtungen über die Triebkräfte der jüdischen Wirtschaft
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 59 (sequence 9)
- Language
- German
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erster Linie nicht die Rentabilität der Ausfuhr, sondern die Größe der Auslandskonkurrenz am Inlandsmarkt. Der entscheidende Faktor der palästinensischen Wirtschaft ist der durch Einwanderung wachsende Inlandsmarkt. Die Weltmarktpreise bestimmen nicht die Größe dieses Marktes; sie haben jedoch einen Einfluß auf die Versorgung des Innenmarktes durch eigene Produktion bezw. durch Einfuhr. Die Bedeutung der Weltmarktpreise für den Anteil der jüdischen Wirtschaft an der Deckung des Inlandbedarf es wird verstärkt durch niedrige Zölle, mangelnde Unterstützung der lokalen Wirtschaft durch die Regierung etc. Regierungsmaßnahmen im Bereich der Wirtschaft können zwar eine private Wirtschaft nicht hervorzaubern; sie können jedoch Mittel zur Erleichterung der Existenzbedingungen der Wirtschaft sein. Hauptsächlich nach dem Kriege bilden Regierungsmaßnahmen im Bereich der Wirtschaft das Gegenstück zu Einflüssen des Weltmarkts. Der Staat schützt durch Zölle, Subventionen etc. seine Wirtschaft vor den Weltmarkteinflüssen. Die Regierungsmaßnahmen können aber im großen und ganzen nur den inneren Markt schützen. Die Größe des inneren Marktes, der von der Einwanderung bestimmt wird, ist aber auch das entscheidende; denn auch die weitreichenden Regierungsmaßnahmen können den nötigen Absatzmarkt nicht schaffen, der für den bloßen Bestand von vielen Unternehmungen nötig ist. Träfe Transjordanien heute alle nur erdenklichen Maßnahmen zum Schutz und zur Förderung der lokalen Industrie, so würde dies kaum zur Entwicklung einer transjordanischen Industrie führen, weil die wesentlichste Voraussetzung, nämlich der lokale Markt, fehlt. Wenn man sich auf der einen Seite davor hüten muß, den Einfluß von Regierungsmaßnahmen auf die Entstehung von neuen Unternehmungen zu überschätzen, so darf man auf der anderen Seite den möglichen Einfluß der Regierung auf die Produktionsbedingungen der Wirtschaft nicht unterschätzen. Nach den „expansiven Faktoren'' übt die Regierung im Rereich der Wirtschaft den stärksten Einfluß aus. Die Höhe der Investitionen wird in erster Linie durch die Einwanderung bestimmt; die Richtung der Investitionen kann aber entscheidend durch Regierungsmaßnahmen beeinflußt werden (durch Schutzzölle für neue Industriezweige, durch Wegbauten für neue landwirtschaftliche Siedlungen etc.). Die in anderen Ländern selbstverständlich gewordene väterliche Sorge des Staates um seine Wirtschaft ist in Palästina noch nicht bekannt. Das Bestehen zweier Wirtschaften mit verschiedenen