Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1938)
- Article
- Betrachtungen über die Triebkräfte der jüdischen Wirtschaft
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 56 (sequence 6)
- Language
- German
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3. Die Gruppe der die Produktionsbedingungen beeinflussenden Faktoren sind in der Tabelle in äußere und innere geteilt. Die äußeren sind Kräfte, auf die die palästinensische Wirtschaft kaum einen Einfluß hat und von denen sie trotzdem beeinflußt wird. Die Zitruspreise sind offensichtlich von großer Bedeutung für einen großen Teil der jüdischen Landwirtschaft; ca. 160.000 Dunam des Bodens in jüdischem Besitz sind mit Zitrus bebaut. Das investierte Kapital beträggt schätzunggsweise LP. 10,000.000; der Ausfuhrwert der jüdischen Zitrusproduktion LP. 1,500.000 bis LP. 2,000.000 der Produktionswert über LP. 2,000.000. Der Einfluß der Weltmarktpreise für Zitrus läßt sich nun als Prozentsatz des obigen Produktionswertes angeben. Schiechte Orangenpreise können bedeuten, daß vielleicht LP. 5000.000 weniger ins Land kommen; im Falle der Zitrusindustrie bedeuten aber Weltmarktpreise mehr. Da die Produktion im wesentlichen ins Ausland geht, bestimmen die Preise auf den Auslandsmärkten neben der Rentabilität des Einzelunternehmens auch die Ausdehnunggsmögglichkeiten der Industrie. Die Zitruspreise auf den ausländischen Märkten sind ein selbständiger Faktor (der Oranggenverbrauch hat auf den für Palästina wichtigsten Märkten auch während der Weltwirtschaftskrise zugenommen), der von entscheidendem Einfluß auf die Produktionsbedingungen und auf die Möglichkeiten neuer Investitionen ist. Die inneren Faktoren, die die Lage der Zitrusindustrie beeinflussen (Regierungsmaßnahmen, verbesserte Transportbedingungen. Löhne, Bodenpreise etc.) stehen an Bedeutung weit hinter den Weltmarktpreisen zurück. Die starke Abhänggigkeit dieser Exportkultur vom Ausland ist klar — und doch ist die Stellung der Zitrusindustrie in der jüdischen Wirtschaft ein wenig unsymmetrisch. Wenn Zitrusprodukte 70 bis 80 Prozent der palästinensischen Ausfuhr bilden, so müßte man annehmen, daß die Entwicklung der Einfuhr eine gewisse Parallelität zur Zitrusausfuhr zeigt — ähnlich wie die Baumwollverschiffungen in Aegypten die Bewegung der ägyptischen Einfuhr bestimmen. Das Nichtüberemstimmen des Trends der Zitrus Wirtschaft mit den wichtigsten Indices der jüdischen Wirtschaft (Einwanderung, Einfuhr, Investitionen, Geldumlauf, Bau etc.) zeigt, daß die Zitruswirtschaft eigentlich eine selbständige Wirtschaft in der jüdischen Wirtschaft bildet. Wohl ist die Zitrusindustrie so schnell gewachsen, weil die Ausdehnungsmögliehkeiten durch Einfuhr und Kapitaleinfuhr ausgenutzt wurden, die Möglichkeiten selbst je-