Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1938)
- Article
- Betrachtungen über die Triebkräfte der jüdischen Wirtschaft
- Date
- 1938-02-01
- Page
- Seite 54 (sequence 4)
- Language
- German
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der Einwanderung einströmende Kapital sieh in Investitionen umwandelt. Die große Bedeutung dieser drei expansiven Faktoren für die jüdische Wirtschaft beruht auf der Beziehung zwischen dem bestehenden Produktionsapparat und dem davon ernährten Volksteil. Im Durchschnitt der Jahre 1922 bis 1938 betrug die jüdische Einr Wanderung jährlich 9—10°o der jeweiligen jüdischen Bevölkerung Fast in allen Janren und besonders in der Konjunktur, als die jüdische Einwanderung zwischen 15—20% der jüdischen Einwohner betrug, gab es eine Schicht von Konsumenten, die noch nicht Produzenten waren. Der bestehende Produktionsapparat hatte also immer einen künstlich -vergrößerten Absatzmarkt oder — anders ausgedrückt — ein Teil der jüdischen Wirtschaft lebte von der Einwanderung (Bau, Handel etc.). Fiele einmal die Einwanderung als Ernährungsquelle und als Expansionskraft fort, so müßte die bestehende jüdische Wirtschaft die gesamte jüdische Bevölkerung ernähren; das würde heißen, daß die jüdische Wirtschaft ein Volkseinkommen von schätzungsweise LP. 15,0000.000 im Jahr (LP. 43 je Kopf und Monat) haben müßte. Der jüdische Produktionsapparat hat aber noch lange nicht jenen Umfang der ein solches Volkseinkommen auch nur annähernd erwarten laßt. Würden jene drei expansiven Faktoren, ausgeschaltet, so wäre ein sehr starker Fall des Lebensstandards, Verkleinerung des inneren Marktes, verbunden mit Absatzschwierigkeiten für Industrie und gemischte Landwirtschaft die Folge. Bestünde dann die feste Ueberzeugung vom dauernden Aufhören der Einwanderung, so würde auch die nationale Kapitaleinfuhr auf ein Minimum fallen. Die jüdische Wirtschaft müßte sich dann selbst ernähren. Da sie jedoch in Palästina in die arabische Wirtschaft eingebettet ist und noch nicht genügend groß ist, um, mit Arlosoroff zu sprechen, ,,di Kolonisationswirtschaft zur Landeswirtschaft zu machen", d. h. noch nicht jenen Umfang erreicht Jiat, durch den die jüdischen Pro duktionsbedingungen (Lebensstandard, Löhne etc.) zu Landesbedingungen geworden sind, würde die jüdische Wirtschaft starke Züge des Niedergangs aufweisen. Eine dann nötig werdende Umstellung der jüdischen Produktionsbedingungen auf die arabischen würde zur Ausstoßung eines erheblichen Teiles der Juden aus dem Wirtschaftsprozeß überhaupt führen. Dieser hier eben konstruierte Fall hat aber nichts mit einer Depression zu tun, wie wir sie jetzt erleben. Bisher ist eine Depression in Palästina eine Pause zwischen zwei Einwanderurtgswellen ge-