Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1938)
- Article
- Das Steuerwesen im künftigen Judenstaat
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
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sind. Denn Steuern, die der Wirtschaftsstruktur widersprechen, haben stets zur Folge gehabt, an den Steuerwiderständen und der Steuermoral zu zerbrechen, praktisch nicht durchführbar zu werden und dadurch zu größten Ungerechtigkeiten zu führen, indem der Eine voll besteuert wird, weil er Einkommen hat, das sich nach seiner Art nicht verheimlichen läßt, während viele andere durchschlüpfen. Versagen der Einnahmequelle und gleichzeitige Zerstörung des Vertrauens ist dife Folge. Aufgabe eines Steuersystems ist es, so beschaffen zu sein, daß mit den der Verwaltung zur Verfügung stehenden Mitteln das Gesetz auch durchgeführt werde» kann. Siesehen, wir sind unversehens von der wissenschaftlichen Steuerlehre, aus der Betrachtung der wirtschaftlichen Struktur eines Koloniallandes in ganz akute Fragen einer praktischen Steuerpolitik nineingekommen. 2. Welche Steuerarten sind in Erez Israel moglieh? Ich gehe nur mit Zögern an die Aufgabe heran, Ihnen nun auch positiv zu sagen, welche Erweiterung <les Steuersystems ich hier im Lande für möglich und durchführbar halte, wobei ich manches verwerten kann, was ich in den letzten Wochen hier im Lande an Material bekommen habe. 1. Ich wiederhole: Der neue Staat hat auf lange hinaus keine allgemeine Einkommensteuer einzuführen, und zwar aus technischen Gründen der Undurchführbarkeit einer solchen Steuer im Zeitpunkte des Wirtschaftsaufbaues. Es hat mich sehr interessiert, zu erfahren, daß ein Gutachten eines englischen Regier ungssaehverständigen aus dem Jahre 1934 vorliegt, das zu dem gleichen Ergebnis gekommen ist. Die Begründung dieses Gutachtens im Einzelnen konnte ich aUerdings nicht erfahren. Dieses negative Ergebnis bei der Einkommensteuer hat auch zwei Vorteile: wenn eine erhebliche Einkommensteuer erhoben würde, so würde sofort die Frage der Steuerflucht im Korridor auf tauchen, d. h., es würden die Inhaber von Geschäften in Tel-Aviv oder reiche Privatleute es vorziehen, nicht im jüdischen Staatsgebiet, sondern im Korridor za wohnen und sich dadurch ganz oder teilweise der Einkommensteuer entziehen. Dem könnte nur durch Einführung einer gleichen Einkommensteuer auch im Korridor abgeholfen werden, was sicher sehr schwierig zu erreichen wäre. Der Fortfall der Einkommensteuer beseitigt ferner die Gefahr, daß die Einkommensteuer zwar infolge technischen Versagens für den Staat