Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 21 (1938)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1938)
- Article
- Die Siedlungskapazität der Orientländer
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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durch die das Wasser normalerweise abläuft. Fast in jedem Jahr ergeben sich besonders für die kleineren Wasserläufe erhebliche Veränderungen in der Richtung des Laufes. Der Bau von Kanälen begünstigt dabei oft solche Abweichungen vom ursprünglichen Lauf, da der Fluß gern das besser ausgebaute Kanalbett vor dem alten Flußbett bevorzugt. Auf der anderen Seite bedeutet es eine erhebliche Erleichterung der Bewässerung, daß die Wasserläufe des Tigriskanalsystems in <fea meisten Fällen um ein weniges höher liegen als das umgebende Land und somit ihr Wasser durch Schwerkraft an die Boden abgeben. Daß das heute angebaute Land ohne großen Aufwand erheblich erweitert werden kann, ergibt sich aas dem noch jetzt gut sichtbaren N^werk alter Kanäle. Diese Kanäle — die nicht immer gleichzeitig in Betrieb waren — durchqueren heute Land, das den Charakter einer Steppe angenommen hat, während es in der Vergangenheit blühendes Kulturland gewesen ist. Allerdings ist die Gewinnung neuen Kulturlandes nicht allein eine Frage der Wiederinstandsetzung oder Neuerrichtung der Kanäle, sondern vor alleui auch ihrer regelmäßigen Erhaltung. Kenner der Landesverhältnisse betonen immer wieder, daß ein großer Teil des in der irakischen Landwirtschaft eingetretenen Verfalles in erster Linie auf die Vernachlässigung in der Bedienung und Instandhaltung der großartigen Bewässerungsanlagen zurückzuführen sei. In den letzten Jahren sind Pläne für den Ausbau der Bewässerungseinriehtungen nur in ungenügendem Maße ausgeführt worden. Der Hindijah-Staudamm, das Hauptbewässerungswerk des Irak, das im Jahre 1910 errichtet wurde, ist renoviert worden. Die Saklawija-, Jussufijah-Kanäle sind erweitert und neu umgefaßt worden, so daß durch sie jetzt eine Fläche von 890.000 Dunam bewässert werden kann. Ebenso sind eine Reihe anderer Kanäle, insbesondere im Zusammenhang mit dem Diala - Flußsystem renoviert worden. Abgesehen von den in erster Linie bewässerungstechnischen Problemen ist eine Neuerschließung des Irak nicht ohne grundlegende Aenderung der Bodenbesitzverhältnisse durchzuführen, die gegenwärtig in chaotischem Zustand und äußerst verwickelt sind. Man kann sagen, daß gegenwärtig kein Fellache irgendwelche definitiven und klaren Eigentumsrechte auf den von ihm bearbeiteten Boden hat. Diese Situation begünstigt im Zusammenhang mit der geringen Bevölkerungsdichte die im Irak vorherrschende Praxis der beweglichen primitiven Landwirtschaft. Sobald die Fruchtbar-