Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Schulfrage Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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nisehen Kenntnisse nicht leichter und besser im Ausland erworben werden könnten, während hier vor allem die speziellen Anpassungen an die Verhältnisse des Landes in Betracht kämen. Dasselbe Prinzip wäre aber mindestens in demselben Masse auch auf andere Gebiete anzuwenden. Für den Arzt müssten die speziellen hygienischen Bedingungen des Landes, für den Chemiker seine Produkte, für den Agronomen vor allem die Boden- und meteorologische Beschaffenheit Gegenstand eingehenden Studiums bilden. Dazu käme — auch für schulpädagogische Zwecke — die Erforschung der Naturschätze des Landes und seines Naturlebens — und schliesslich mehr rein geistige Aufgaben, sprachwissenschaftlicher Natur z. B., die durch die Erweckung der hebräischen Sprache bedingt sind, Arbeiten historischer und archäologischer und „rein geistiger Fragen", die für das „geistige Zentrum" dort im Sinne Achad Haams wichtig wären. Auch die Kunstschule, die im „Bezalel" einen so originalen und vielversprechenden Anfang genommen, würde sich harmonisch anreihen. Für die Vereinigung so vielfältiger Aufgaben scheint jene Form die passendste zu sein, welche den Charakter der freien Akademie mit dem der speziellen Institute für bereits allgemein Vorgebildete in sich vereinigte. So wäre wenigstens vielleicht auch der Uebergang zum Hochschulwesen allmählich durchzuführen. Uns kann es aber auch gar nicht befremden, dass in einem Lande, wo die Dorfschule noch nicht fertig ist, mit der Hochschule Ernst gemacht wird. Es erweist sich für unser Volk vielfach das amerikanische System als das richtige, zuerst die Strassen der ganzen Stadt und dann erst die Häuser zu bauen. Die Hauptaufgaben des palästinensischen Schulwesens! lassen sich vielleicht foigendermassen zusammenfassen: erstens die Schaffung der Möglichkeit für die Jugend, das für das allge^ meine und speziell palästinensische Leben Wichtigste und Beste zu lernen. Hiezu diente sowohl die Akademie als die verbesserte Dorfschule, das neue Lehrbuch wie der verbesserte Lehrplan. Zweitens wird die Organisation des Unterrichtswesens die schwierigsten Bedingungen, unter welchen dasselbe in Palästina leidet, erleichtern. Es sollen entgegengesetzte Richtungen nach Möglichkeit zum Ausgleich, die vorhandenen pädagogischen Kräfte zum geistigen Austausch gebracht werden. Vielleicht wird mit der Zeit hiefür auch die Gründung einer äusseren nationalen Kultur-, resp. Schulorganisation von Bedeutung, — ünd der neue Kulturfonds liegt ja schon in dieser Richtung — sowie eine gemeinsame Organisation der verschiedenen schulgründenden, Institutionen Palästinas. 214