Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Schulfrage Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2379786-2379804-2379814-2414210--02068-2414272- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
endlich ein ständiges pädagogisches Zusammenarbeiten der örtlich einander nahen Lehrkräfte, durch gemeinsame pädagogische Sitzungen, Vorträge, didaktische und fachliche Kurse, wie dies zwar angeregt aber nicht durchgeführt wurde. Die Organisation der Lehrer muss endlich mit der Zeit für die Vereinheitlichung des Schulwesens in nationalem Sinne von grosser Bedeutung werden. Wenn auch keine Organisation aller Schulen — da dieselben verschiedenen Instituten angehören —, so umfasst sie doch Lehrer fast aller Schulen und könnte so den moralischen Einfluss geeinigter pädagogischer Bestrebungen überallhin zur Geltung bringen. Gewiss begegnet die palästinensische Schulorganisation manchen äusseren Schwierigkeiten, die anderswo kaum vorhanden sind: die schwer zurücklegenden Entfernungen, die ungleichen Voraussetzungen seitens der Lehrer, die Ungleichartigkeit der bestehenden Schulen, die Entfernung von Europa usw. Es unterliegt aber keinem Zweifel, dass die Organisation, wenn sie sich nicht nur nach dem Muster anderer Organisationen ausbaut, sondern ihre pädagogische Bedeutung zu allererst im Auge hat, ihre Ziele erreichen wird. Für die Vereinheitlichung des Lehrermaterials endlich ist das Lehrerseminar in Jerusalem von Bedeutung, welches eben seinen Wert damit erprobt, dass es vor nicht langer Zeit zum erstenmal seine Zöglinge als Lehrer in einige Kolonien hinausgeschickt hat. IV. Seit einem halben Jahre ist Palästina um eine Schulfrage reicher, deren Aufrollung sowohl ein gewisses Aufsehen in den Palästina fernestehenden als Begeisterung in den „palästinensischen" und nationalen Kreisen erweckt hat: es ist die Frage des Technikums. Da aber diese nur einen Teil der allgemeinen, wenn auch nicht momentan diskutierten Hochschulfragen bildet, so seien mir über die letzteren einige Bemerkungen gestattet. Die heutige Hochschule, welcher Art immer, vereinigt gewöhnlich zwei Aufgaben: eine wissenschaftliche, akademische im strengeren Sinne, und die der Ausbildung zu den „höheren", resp. „höchsten" Berufen. Für uns scheint zunächst der zweite Zweck der wichtigere zu sein, und ihm ist wohl der Plan der technischen Hochschule entsprungen, einem fast könnte man sagen HerzPschen Gedanken entsprechend: das Land durch Technik zu erobern. Zweifellos würde eine grosse Zahl Techniker im Lande Verwendung finden — zumal wenn wir wirklich vor einer Periode beschleunigter Entwicklung stehen sollten. Zu bedenken wäre nur, ob heute noch die allgemeinen tech- 213