Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Schulfrage Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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nachahmt als auch auf jenen, der mit Verachtung und Spott auf das kulturniedrige Volk blickt. Die Kolonie hingegen ist rein ländlich, bietet eine einheitliche rein jüdische Umgebung und ihr geistig-kulturelles Leben steht nicht hinter dem Jaffas zurück. Und ohne dass in den Kolonien das Bedürfnis nach Mittelschulen geweckt werden müsste, würde doch die „eine Mustermittelschule", gleich den modernen Mittelschulen der Schweiz, Englands und Deutschlands, ihren natürlichen Platz auf dem Lande haben. Damit im Zusammenhange müsste auch der Grundcharakter der Mittelschule ein etwas anderer sein: wieder weniger Sprachen, und vor allem der Nationalismus, der jetzt das Haupterziehungsprinzip bildet, mehr auf realem Boden als in klingenden Tönen beruhend. Und vor allem wäre es der Entwicklung des Gymnasiums zu wünschen, dass es möglichst ferne jeder „Politik" stehe, d. h. keine politischen Rücksichten für Entscheidungen innerhalb der Schule massgebend seien. - Von wichtiger Bedeutung für das jüdische Berufsleben wäre die allmähliche Einführung niederer und mittlerer Fachschulen, und dürfen in diesem Sinne die gewerbliche Schule der Allianz in Jerusalem und die zu begründende technische Mittelschule nur allen Sympathien begegnen. Nur einige Bemerkungen über die weitere Organisation des Lehrer- und Schulwesens in Palästina. Wenn auch für das Erstlings Stadium der Entwicklung eine gewisse individuelle Freiheit wichtig ist, ein fixes Landesschulprogramm z. B. noch nicht oder vielleicht überhaupt nicht am Platze wäre — ausser einem allgemein zu beobachtenden Minimum —, so ist doch auf allen Gebieten ein organisiertes Zusammenarbeiten der vorhandenen Kräfte höchst wünschenswert. Schon vor einigen Jahren hat dieses Bedürfnis zur Gründung der Histodrut Hagorim (Lehrerorganisation), vorläufig wenigstens für die Elementarschulen, geführt, und diese hält ihre jährliche Hauptversammlung ab, hat ihre lokalen Verzweigungen und Kommissionen, sowie ihren Zentralausschuss, der auch monatlich eine periodische Schrift herausgibt. Neben den administrativen und auf die Lehrer bezüglichen Fragen — die Besetzung der Lehrerstellen, die Prüfung der neuen Lehrer usw. — gilbt es für die Organisation noch manche mehr oder minder pädagogische Aufgaben. Sie soll überall die Erleichterungen schaffen: gelte es die Beschaffung von Lehrmitteln, die Gründung einzelner oder gemeinsamer Lehrerbibliotheken, die Veranstaltung von Lehrerkursen, die Herausgabe von Lehrbüchern, wofür übrigens ein eigener Verein besteht. Wichtig wäre es, eine genaue Uebersicht des ganzen Schulwesens in statistischer und in sachlicher Beziehung zu gewinnen und es auch einzelnen Lehrern zu ermöglichen, die Schulen gegenseitig kennen zu lernen. Von grosser Bedeutung wäre 212