Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Schulfrage Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379804-2379814-2414210--02066-2414270- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
guter Anschauungsmittel, vor allem durch ein sehr gutes Schülermaterial aus. In der inneren Führung fällt vorläufig eine gewisse pädagogische Oberflächlichkeit auf, sowohl was die organisatorische als was die unterrichtliche Seite betrifft. Es fehlt an organisatorischer, an prinzipiell-pädagogischer Einheitlichkeit, und wenn im allgemeinen ein vernünftiges Freiheitssystem unwillkürlich vorwaltet, so wird in allen schwierigeren Fragen und manchmal auch .aus bloss äusserlicher Nachahmung nach ausländischen Mustern getappt. Es fehlt aber auch vielfach an einer soliden, den richtigen Kräften zugeteilten Darbietung des Lehrstoffs. Manche Schwierigkeiten liegen nun allerdings in der Natur der Sache — die Durcharbeitung des Lehrstoffs in hebräischer Sprache ist schon eine Arbeit für sich. Aber es unterliegt keinem Zweifel, dass zu dieser Arbeit mehr als die Kenntnis der Sprache gehört, dass diese Kenntnis allein auch nicht einmal in sprachlicher Beziehung für den betreffenden Gegenstand etwas leisten kann, wenn ihr nicht ejne gerade für diese Aufgabe besonders tüchtige Fachkenntnis bei-, manchmal übergeordnet ist. Und was die neuerlich eingeführten Lehrstudienreisen betrifft, so würde es sich .vielleicht häufig empfehlen, nähere Quellen aufzusuchen, z. B. wäre ein Studium der im Beiruter amerikanischen College befindlichen naturwissenschaftlichen Sammlungen vielleicht in diesem Falle nützlicher als irgend ein möglichst allgemeines Kolleg an einer europäischen Universität, das übrigens häufig genug dazu verleitet, auch in der Schule ein oberflächlich angeeignetes hochschulmässiges als ein natürliches pädagogisches System zu verfolgen. Hauptschwierigkeiten des Mittelschulunterrichts sind der völlige Mangel an Lehrbüchern, vorläufig auch die Dürftigkeit der Lehrmittel — oder wenigstens solcher Lehrmittel, die den hiesigen Bedürfnissen entsprechen — und das Fehlen einer ausreichenden und dem Alter entsprechenden Jugendlektüre. Es ist unmöglich, alle diese Aufgaben der kleinen Zahl vollbeschäftigter Lehrer aufzuerlegen und wäre dringend notwendig, all diese Arbeiten in systematischer Weise zu organisieren. Viel erörtert wurde vor einigen Monaten die lokale Frage, ob das neue Gymnasium in Jaffa oder in einer der Kolonien erbaut werden solle. Hätte man hierüber pädagogisch geurteilt, dann war unbedingt die Kolonie, die den Keimpunkt dieses neuen Lebens bilden soll, zu wählen. Gegen Jaffa sprachen ästhetische Bedenken, der geschäftliche und unruhige Charakter der Stadt, die weder historisch-kulturell noch landschaftlich be* sonders Interessantes bietet, die arabische Umgebung, von der schon Achad Haam in seinen Palästinaaufsätzen bemerkt hat, dass sie erzieherisch ungünstig auf die Jugend einwirkt; man kann hinzufügen: sowohl auf jenen Teil, der sie ünwillkürlich 211