Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Schulfrage Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nun besteht seit einigen Monaten eine neue Ackerbauschule, in der das national-erzieherische Moment in ganz anderer Weise berücksichtigt werden dürfte als in Mikweh — es ist die Belkind'sche Schule Kirjat Sefer, für deren Verwirklichung der erfahrene palästinensische Lehrer schon Jahre lang unausgesetzt arbeitet. Es wäre nur wünschenswert, dass die Schule wirklich die Höhe ihres Gedankens erreiche. Dazu ist notwendig, dass sie materiell auch ganz sichergestellt werde, dass die Kolonisten der Idee der Ackerbauschule überhaupt mehr Interesse und Verständnis entgegenbringen als bisher, dass sich endlich tüchtige, mit den landwirtschaftlichen Verhältnissen Palästinas gut vertraute Lehrkräfte zusammenfinden. In Bezug auf räumliche Lage und Ausdehnung der Landfläche — die bekanntlich jetzt dem Nationalfond gehört — scheint ja die Schule sehr günstig gestellt, eine kleine Kolonie wie geschaffen für geräuschlose, auf Arbeit und Zucht gegründete Erziehung. Der Anfang scheint — obwohl die Schüler zum Teile noch „Zufallsschüler sind — ein guter zu sein und wird schon jetzt den Schülern Gelegenheit gegeben zu stärkerer körperlicher Arbeit, zur Erwerbung einleitender Kenntnisse der Naturgeschichte usw III. Wie wesentlich vor allem die Ausgestaltung der Elementar schule für die Hebung des Unterrichtswesens in Palästina ist, so liegt es einfach in der Psychologie der Bevölkerung begründet, dass man den Kindern ebenso wie irgend anderswo eine höhere Bildung angedeihen lassen will. Ob nun erst die Gründung das Bedürfnis oder das Bedürfnis die Gründung gewreckt hat — die „Gründungsära" von Mittelschulen, wie sich der Verfasser eines früheren Artikels ausgedrückt hat, ist nun einmal eine Tatsache. Und meines Erachtens können wir auch diese unaufhaltsame Tatsache nicht bekämpfen, sondern nur nach Möglichkeit in harmonische Bahnen lenken. Vor allem müssen wir uns vor Augen halten, dass unsere Aufgabe nicht das „Gymnasium" dieser oder jener Richtung, dieses oder jenes europäischen Systems ist, sondern jenes Erziehungs- und Unterrichtsinstituts, das der Jugend in ihren entscheidungsvollsten Jahren das Bestmögliche geben soll, für welches daher das „Beste gut genug sei". Bis jetzt existieren an Mittelschulen — wenn wir vom Lehrerseminar absehen — das hebräische Gymnasium und die erste Klasse einer Real- und Handelsschule in Jaffa und Jerusalem. Wenn wir das Gymnasium von obigem Standpunkt aus betrachten, können wir die äussere und innere Seite scharf unterscheiden. Vor manchen anderen Instituten zeichnet sich das Gymnasium — obwohl noch nicht in eigenem Hause untergebracht — durch Luft, Licht und Raum, durch den Besitz einiger 210