Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Schulfrage Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Dazu gehört aber vor allem, dass die Schule die richtige Beziehung zum Leben des künftigen Kolonisten im Auge behalte, dass zwischen Geisteskultur und Arbeit die richtige Harmonie eingehalten und vor allem schon in der Elementarschule in, irgend einer Form landwirtschaftliche Beschäftigung betrieben werde, was ja gewiss technisch gar keinen Schwierigkeiten unterliegen würde. Meines Wissens ist ein systematischer Versuch iin dieser Beziehung nur in der galiläischen Kolonie Rosch-Pinah durchgeführt worden, wo der Leiter der Schule keine Mühe und gründliche eigene Vorbereitung gescheut hat, um dem landwirtschaftlichen Unterricht eine wichtige Stelle einzuräumen. Die Schule besitzt ein geräumiges Gebiet für alle Arten des Feldbaues und ist den Schülern sogar die Gelegenheit gegeben, ihre eigenen Parzellen zu bauen und so die Früchte ihrer eigenen Arbeit einzuheimsen. Hervorzuheben wäre noch, dass die Kandidaten des Lehrerseminars in Jerusalem eine kurze Zeit während der Osterferien Gelegenheit haben, sich in Petach-Tikwah die notwendigsten landwirtschaftlichen Kenntnisse anzueignen, was sicherlich noch wirksamer sein wird, wrenn die neue Salvendifarm auch dort errichtet werden wird. Damit kommen wir auf die Frage der landwirtschaftlichen Schule überhaupt. Ein in die Abnormität unserer Verhältnisse nicht Eingeweihter würde es ja kaum für möglich halten, dass in einem Lande, das durch ländliche Kolonisationen einem Volke erobert werden soll, das in Bezug auf Landwirtschaft sehr wenig mitbringt, für diesen Zweck gar keine Schule besteht. Denn die Ackerbauschule in Mikweh- Israel, die ja zu diesem Zwecke gegründet würde und den ersten Kolonisten wahrscheinlich grosse Dienste geleistet hat, hat ja längst den Zusammenhang mit den Erfordernissen der Kolonien verloren. Mögen ihre Leistungen in agrikultureller Hinsicht und besonders in Bezug auf Gartenkultur noch so gut sein — und darüber steht das Urteil nur Fachleuten zu — mag auch für die Schüler von Mikweh die körperliche Arbeit von grossem erzieherischen Werte sein, so ist doch für uns wenig gewonnen, da nur ein kleiner Bruchteil der Schüler aus Palästina ein noch kleinerer aus den Kolonien stammt, die Schüler überdies mehr zufällig, als zu dem ernsten Zweck, Ackerbauer zu werden, hergekommen sind. Fragt man einen Durchschnittsschüler von Mikweh nach seinem erwünschten Lebensziel, so wird die Antwort zumeist lauten: Administrationsbeamter. Vor dem Gedanken, etwa eine Zeitlang Landarbeiter in Palästina zu werden, schrecken alle zurück. Der grössere Teil der austretenden Schüler verlässt sowohl das Land als die landwirtschaftliche Beschäftigung, nur ein Teil geht nach Argentinien und nur die wenigsten — ein paar Kolonistensöhne — bleiben im Lande. 209