Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Schulfrage Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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lisch und französisch, faktisch ist aber auch in diesen Schulen die wichtigste, in den chowewe-zionistischen und den selbständig gestellten die alleinherrschende Sprache die hebräische. Auch was das Schulprogramm betrifft, scheint dasselbe in Bezug auf die hebräische Sprache und Lektüre am sorgfältigsten ausgebildet zu sein — es stehen hiefür auch sehr gute Lehrbücher zu Gebote. Vielleicht muss es besonders hervorgehoben werden, dass ein spezieller Religionsunterricht nicht erteilt, die Bibel als eigener Unterrichtsgegenstand — und zwar meist ebenfalls auf Grund vorzüglicher Schulausgaben — gelehrt wird. Ein entschiedenes Zuviel herrscht vielfach in Bezug auf Sprachen. Neben Hebräisch als Landessprache Arabisch und Französisch, so dass der Sprachunterricht, besonders wenn Bibel und Grammatik dazu gerechnet wird — oft drei Viertel des Stundenplanes einnimmt. Freilich wird die Sprachenvfelheit, deren geringer pädagogischer Wert in den Kinderjahren oft betont wurde, im Orient teilweise durch die Lebensverhältnisse bedingt. Dr. Paul Nathan bemerkt über die palästinensischen Schulen, dass die Erlernung des Hebräischen und die notwendigste Kenntnis der arabischen Landessprache für die Kolonistenschule hinreiche, wozu nur in den Städten noch eine europäische Hauptsprache erforderlich werde. Warum aber der wenigen französischen Beamten wegen jedes Kind in Rischon französisch sprechen müsse, ist nicht recht einzusehen. Diesem Zuviel gegenüber macht sich ein Mangel in Bezug auf Realien geltend. Jene „N e b e n f ä c h e r", die gerade bei uns für die Wiederbelebung eines in Bücherwissens und Theorien erstarrten, nach Leben dürstenden Volkes so notwendig, mehr als Nebenfächer sein sollten: Zeichnen, Gesang, Turnen sind besonders auf dem Lande vielfach noch gar nicht eingeführt, obwohl z. B. in Bezug auf Zeichnen der „Bezalel" einen unerschöpflichen Quell für das ganze Land bilden könnte. (Es wurde auch im vorigen Jahre 'mit Zeichenkursen für Lehrer ein guter Versuch gemacht.) Vom Turnen kann man sagen, dass es wenigstens dort, wo es eingeführt ist, mit Ernst und Eifer betrieben wird. Eine gewisse Berühmtheit in dieser Beziehung hat insbesondere die Lämelschule in Jerusalem erlangt. Auch die naturkundlichen Fächer liegen noch grossenteils im argen, solange unsere Lehrer, meist erst aus dem Auslande gekommen, selbst das Land nicht kennen, nicht die Möglichkeit oder die Anregung haben, seine Pflanzen, Tiere, Steine, seine klimatischen und auch ethnologischen Verhältnisse wie die eines Heimatlandes kennen zu lernen, solange es an den notwendigsten Lehrmitteln in dieser Beziehung gebricht. 208