Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Schulfrage Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Zunächst stehen aber der Entwicklung des Schulwesesn noch manche äusseren und inneren Hindernisse im Wege. Dia haben wir — und zwar nicht nur in den altjüdischen Städten, sondern sogar in den Kolonien von den gewissen „strenggläubigen" Komitees unterhaltene Talmud-Thor1 aschulen (den Cheder als Elementar- und das Bet-homidrasch als Hochschule). In Jerusalem und Jaffa wäre es natürlich unmöglich und selbst unnatürlich, diese Institute, die ihren Kreisen bis zu einem gewissen Grade harmonisch angepasst sind, aus der Welt zu schaffen. Unnatürlich aber erscheint ihre grosse Verbreitung in den Kolonien, wo zumeist nicht einmal ein tieferes Bedürfnis der Bevölkerung danach vorhanden ist Man denke z. B., dass in einer Zwergkolonie, die nur 30—40 Kinder schulpflichtigen Alters zählt, etwa die Hälfte die „moderne", die andere die Talmudschule besucht. Dabei ist die „moderne" Schule auch gar nicht so antireligiös, es wird in ihr die Bibel, sogar die wöchentliche „Sedreh* gelehrt. Eine Abhilfe wäre hier wohl nur durch den persönlichen Einfluss der Schulleiter auf die Kolonie ermöglicht, deren Komitees ja die innere Verwaltung des Schulwesens in ihren Händen haben. Eine eigentümliche Folge dieser sich nur auf die Knaben erstreckenden Erziehung ist die, dass wir oft — auch schon in den Kindergärten — einem starken Ueberwiegen der Zahl der Mädchen über die Knaben begegnen. In den Städten wird wohl eine Aenderung der Schulverhältnisse erst langsam vor sich gehen — erst wenn vorher eine allgemein steigende Volksbildung auch in den dunkeisten Kreisen das Verlangen nach dem Besuch wirklicher Volksschulen wecken wird. Doch sind hiezu zwei Mittel notwendig, erstens die Zahl der nationalen Schulen zu vermehren und die letztere möglichst nahe dem Zentrum der orthodoxen Bevölkerung anzulegen und zweitens für die Volksbildung jener aufklärungsdürstenden Elemente zu sorgen, die sich gewiss jetzt in grosser Zahl finden und nur nicht die Brücke zu umfassender Bildung kennen. Fassen wir die innere Organisation der Elementarschule ins Auge, so begegnen wir so ziemlich allen Abstufungen von der städtischen Normalschule (die auch das umfasst, was in Oesterreich „Bürgerschule" genannt wird), bis zu der berühmten einklassigen Gebirgsdorfschule. Die offizielle Unterrichtssprache ist in den Schulen deutscher, englischer und französischer Leitung *) deutsch, eng- *) Zum ersteren Typus gehört vor allem die Lämelschule, zum zweiten die Rotschild'sche Mädchenschule in Jerusalem, zu letzten sämtliche Aliianceschulen, auch einige Kolonieschulen. 207