Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Schulfrage Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Kindergärten schon viel zu sehr den Charakter von Schulhäusern, die spielende Beschäftigung den des förmlichen Unterrichts, der sich oft mehr in dem Ton des gewöhnlichen Schulkommandos an die Gesamtheit als an das einzelne Kind wendet. Und wenn in den städtischen Kindergärten äussere, räumliche Verhältnisse z. B. manche dieser Mängel bedingen, so scheint den läindlichen Kindergärten noch dazu gerade dieser städtische Typus als Muster vorzuschweben. Und gerade auf dem Lande wäre doch so viel aus der Beobachtung und aus dem Mitleben mit der Natur zu gewinnen. Hier wäre es doch — besonders im Orient — so leicht möglich, gerade das Wesentliche der Beschäftigung ins Freie zu verlegen — und ein entsprechender weiter, grüner Platz wäre in jeder Kolonie leicht zu beschaffen — während der gedeckte Raum mehr als Zufluchtsstätte gegen Regen, Wind und Hitze zu dienen hätte. In den Städten tritt der reine Schulqharakter des Kindergartens noch stärker hervor, und in vielen Fällen ist der Begriff „Garten" überhaupt ganz illusorisch geworden. Freilich ist hier — infolge der sozialen und ungünstigen hygienischen Verhältnisse in Haus und Strasse — ider Kindergarten in welcher Gestalt immer — eine noch viel dringlichere Notwendigkeit als anderswo. Auch ist die Vereinigung der Kinder aus verschiedenen Ländern und Sprachverhältnissen heraus in einem Zusammenleben und einer Sprache ein sehr wichtiges nationales Erziehungsmittel. Freilich ist die Stadt auch wieder dadurch im Nachteil der Kolonie gegenüber, dass die Einflussphäre auf die Kinder hier eine beschränktere ist — wofern nicht der Kindergarten mehr und mehr den Charakter eines Kinderhortes annimmt, während in den Kolonien der Einfluss erfahrener Erzieherinnen ganz wohl auch auf die Mütter ausgedehnt werden könnte. Infolge der Enge der Verhältnisse sind in manchen kleinen Kolonien Kindergarten und Schule in ganz unmittelbaren örtlichen und wohl auch pädagogischen Zusammenhang gebracht. In diesen Fällen wäre es immerhin wünschenswert, lieber den Einfluss des Kindergartens in seiner Methode nach oben hin auszudehnen als umgekehrt. II. Der Grundstock der Schulerziehung ist in der Elementarschule gegeben. Sie möglichst in die Breite und in die Tiefe auszubauen, bildet die pädagogische Kardinalfrage. Ganz unmittelbar, fast mehr instinktiv als planmässig hat sich bereits ein gewisser palästinensischer Schultypus gebildet, dessen weitere Ausgestaltung in organisiertem Zusammenhange aller vorhandenen Kräfte angestrebt wird. 206