Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 11-12
- Article
- Die Schulfrage Palästinas
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 205 (sequence 2)
- Language
- German
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ersten Chovevei-Zion bis zu den jüngsten Kongressberichten, von der Gründung der hebräischen Schule in Jaffa bis zur Technikumfrage. Lehrer in Palästina zu werden gilt mit Recht einer grossen Zahl junger Leute aus Russland als ideales Lebensziel und schon ist die Zeit gekommen, wo die nationale Erziehung der Kinder (jin Motiv für Eltern bildet, nach Palästina zu gehen. Bezeichnet die nationale Richtung im Wesen den Kurs der neuen palästinensischen Schule, so gehen in den Schulgrün- <lu,ngen verschiedene Organisationen nebeneinander, vor allem die A11 i a n c e und der deutsche Hilf sverein (zusammen mit dem Verein Esra), welch letzterer, besonders was die äussere Einrichtung und Gründung von Schulen betrifft, in Palästina die Rolle eines Schulvereins spielt. Doch weniger von der äusseren als vielmehr von der inneren Organisation soll hier die Rede sein, und will ich mich der Einfachheit halber an die durch die Höhenstufen gegebene Reihenfolge halten, da dieselben in Palästina schon fast sämtlich vertreten sind, vom Kindergarten bis zur Hochschule. I. Der Kindergarten erfreut sich einer allgemeinen Verbreitung und nicht nur in den Städten, wo die Kindergärten des Hilfsvereins eingerichtet sind (sowie in Jerusalem der der Evel.v. Rothschildschule), sondern bis in manch kleinste Kolonie hinein, wo irgend eine Art „Gan" die Kleinsten der Kleinen in Spiel und spielendem Unterricht zu wissenden und geselligen Wesen heranzubilden bestimmt ist. Im System besteht kein wesentlicher Unterschied zwischen dem deutschen Original und der jüdischen Anwendung. Nur treten hier besondere Bedingungen hinzu, die mit den Aufgaben des Kindergartens in Einklang zu bringen, eine Sache der Zukunft ist. Schon bis jetzt hatte z. B. der Kindergarten auch eine besondere Mission: die Verbreitung der hebräischen Sprache in der Welt der Kleinen. Hier hilft kein blosses Programm und äussere Tendenz allein. Hinabzusteigen in die Seele des Kindes, es nicht bloss plappern zu lehren in einer anderen Sprache, die es zu Hause meist nicht hört, sondern ihm wirklich das Beste in dieser Sprache zu geben, ja ohne bewusste Zusammenhänge seine Sphäre in einer bestimmten Richtung zu veredeln — das ist eine Liebesarbeit, für die kein Programm und keine Tendenz ausreicht. Und da sind z. B. die Verhältnisse in Stadt untd Kolonie ganz verschieden. In der Kolonie bildet zwar auch das Haus nur selten in Sprache und Geist eine harmonische Grundlage der Erziehung, harmonisch wirken aber doch die natürliche, zum Teile die gesellschaftliche Umgebung. Vielfach tragen aus altgewohnter Ueberschätzung des Intellektualismus, zum Teile auch aus blosser Gewohnheit, die 205