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Palästina · 1908-01-01 · Heft 10 · p. Seite 182

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Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 10
Article
Aussichten und Aufgaben der Arbeiter-Genossenschaftsbewegung in Palästina
Date
1908-01-01
Page
Seite 182 (sequence 4)
Language
German
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In No. 30 des „Jüdischen Kämpfers"4) d. J. macht Herr Leder, ein Palästinenser, in einem sehr interessanten Artikel den Versuch an der Hand von Zahlen, die Möglichkeit der Gründung von Arbeiter-Konsumvereinen in Palästina und deren Profitabilität schon bei den gegenwärtigen Verhältnissen im Lande zu beweisen. Im Durchschnitte gibt ein jüdischer Arbeiter oder Handwerker in Palästina für die nötigen Lebensmittel ca. 10 Franks pro Woche aus. Herr Leder nimmt an, dass anfangs sich nur 100 Mitglieder an die Konsumgenossenschaft anschliessen. Die Wochenausgaben derselben beliefen sich dann auf ungefähr 1000 Fr.; die Jahresausgaben auf 52000 Fr. Der durchschnittliche Zinsprofit auf die Lebensmittel und die sog. Kolonialwaren macht in Palästina bis 15—20o/0 aus. Im Ganzen also wird ein Konsumverein mit 100 Mitgliedern, von denen jedes 10 Fr. pro Woche ausgibt, einen Reingewinn von 3000 Fr. jährlich abwerfen. Bei den gegenwärtigen Verhältnissen laufen diese Summen, die in Wirklichkeit selbstverständlich viel grösser sind, in die Taschen einer grossen Menge von Klein- und Zwischenhändler; schon bei einer kleinen Organisation aber könnten sie den konsumierenden Arbeitennassen erspart werden. Aber ausserdem — fährt H. Leder fort — könnte diese Genossenschaft, dieser Konsumverein infolge ihrer besseren und planmässigeren Geschäftsorganisation die Warenpreise bedeutend herabsetzen und die Qualität der Waren verbessern, auch obne ihren Profit zu verkleinern. Wenn auch vielleicht die Zahlen des Herrn Leder etwas zu optimistisch scheinen und deshalb nicht ganz genau zu nehmen sind, so muss doch Jeder, der mit den wirtschaftlichen Verhältnissen unseres Landes vertraut ist, zugeben, dass sie gar nicht so weit jenseits der Warheit liegen. Dass diese Zahlen aber trefflich die Möglichkeitstendenz der gesunden un^d normalen Entwicklung von Konsumvereinen und schon bei den gegenwärtigen Verhältnissen in Palästina darstellen, kann von Niemanden bestritten werden.5) Doch sind wir nicht ganz einverstanden mit der in einer Beziehung zu grossen Bescheidenheit des Herrn Leder. Nicht blos auf 100, sondern auf einen viel grösseren Kreis von Mitgliedern und überhaupt von Kunden kann und darf ein Konsum- 4) „Jüd. Kämpfer", das Zentral-Organ der Poalei-Zion.Organisation in den Ver. Staaten, Newyork. 5) Um manche Miss Verständnisse zu vermeiden, betonen wir, dass es gar nicht unsere Absicht ist an dieser Stelle die praktisch-kommerzielle Seite der zukünftigen kooperativen Arbeiterunternehmungen zu schildern, sondern die sozusagen prinzipiell-theoretische derselben. 182

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