Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Aussichten und Aufgaben der Arbeiter-Genossenschaftsbewegung in Palästina
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 183 (sequence 5)
- Language
- German
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verein in den jüdisch-bevölkerten Städten und Dörfern Palästinas rechnen. Wenn wir uns hier bloss auf die jüdische Arbeiterbevölkerung Palästinas, auf diejenige Klasse unserer Gesamtbevölkerung, welche ohne Zweifel die Avantgarde der Genossenschaftsbewegung in unserem Lande schon in der nächsten Zukunft bilden wird, beschränken wollen, so finden wir, dass schon in der einen Kolonie Pethach-Tikwah bis 200 ständige Arbeiter wohnen. In Jaffa und Jerusalem ist ohne Zweifel die Zahl derer bedeutend grösser.6) Alle unsere palästinensischen Arbeiter gehören, fast ohne Ausnahme einer der beiden jüdischen Arbeiterparteien Palästinas (Poalei-Zion und Hapoal-Hazajir) an, so dass wir keinen Grund haben, anzunehmen, sie würden ihren eigenen Interessen zuwider sich weigern, sich den Konsumgenossenschaften anzuschliessen. Die Praxis der europäischen Länder erzählt uns gerade vom Enthusiasmus, mit welchem die klassenbewussten Arbeiter die Entstehung dieses neuen Kindes ihres Organisationslebens begrüssen, und von der Energie und Opferwilligkeit, mit welchem sie die Existenz und die normale Weiterentwicklung der Genossenschaften zu sichern immer bereit sind. Werden unsere palästinensischen Arbeiter in dieser Beziehung weit hinter ihren europäischen Kollegen zurückbleiben? Daran wollen wir nicht glauben. Dieselbe Praxis der europäischen Länder, auf welche wir uns hier so oft beruf eny lehrt uns aber, dass die Konsumgenossenschaften, die anfangs von den Arbeitermassen gegründet und unterstützt waren, schon verhältnismässig sehr früh die Grenzen ihrer Tätigkeit und ihre ursprüngliche Einflussphäre weit ausdehnen. Infolge verschiedener Vorteile, die die Konsumvereine ihren Mitgliedern und überhaupt ihrer Kundschaft bieten, ziehen sie allmählich die konsumierende Masse aller Bevölkerungsschichten ohne Unterschied der Berufe und der gesellschaftlichen Stellung an sich. Ein paar Zahlen aus dem Leben der deutschen Konsumvereine werden genügen um diese Entwicklungstendenz der Konsumgenossenschaften klar zu machen. Dem Berufe nach waren unter 234.417 Mitglieder, die im Jahre 1904 dem „Allgemeinen Verband der deutschen Erwerbs¬ und Wirtschaftsgenossenschaften" angehörten und über die Angaben vorliegen: Selbständige Landwirte 4 o/o Gehilfen und Arbeiter in der Landwirtschaft 5 <Vo Fabrikanten und grosse Unternehmer 2 o/o Handlungsgehilfen 46 °/o Selbst. Handwerker, Kaufleute, Gastwirte etc. 22 o/o 6) In Jaffa hat schon die eine Fabrik, Stein et Co., über 125 Arbeiter. 183