Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Aussichten und Aufgaben der Arbeiter-Genossenschaftsbewegung in Palästina
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 181 (sequence 3)
- Language
- German
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Wir haben nicht die Absicht — und dazu fehlt uns auch der nötige Raum und die Zeit — alle diejenigen Faktoren zu schildern, deren Vorhandensein die Ausbreitung und die Vertiefung der Genossenschaftsbewegung verursachten — aber auf die beiden wichtigsten Bedingungen des Gedeihens der Genossenschaften, vor allem derjenigen Form derselben, die wir als Konsumvereine bezeichnen, wollen wir doch unsere Leser hier aufmerksam1 machen. Die Konsumvereine entwickeln sich nicht auf Kosten der grosskapitalistischen Betriebe und sie bringen mit sich auch fast keine bedeutenden Gefahren für das weitere Gedeihen derselben.3) Sie behaupten sich aber auf den Trümmern der kleinen Krämer und Zwischenhändler, dieser im sozialen Sinne ganz überflüssiger ökonomischer Klasse. Deshalb sind diese überall die ärgsten Feinde der Genossenschaftsbewegung überhaupt, insbesondere aber der Konsumvereine, nicht die Vertreter der Interessen des Grosskapitals. Zweitens, wie sich Kautsky in seiner Broschüre: „Konsumvereine und Arbeiterbewegung", Wien 1S97, ausdrückte, scheint die Grosstadtluft den Konsumvereinen glicht zu behagen. Und das ist freilich kein Zufall. Die Grundbedingung des Giedeihens oder wenigstens der formalen Entwicklung der Konsumvereine ist die möglichst feste Organisation der breiter, konsumierenden Massen, was wieder erst bei der minimalen Zerstreuung dieser Massen, bei deren möglichst grosser Konzentration auf den kleinen Landstrecken durchführbar ist. Und deshalb sehen wir, dass in Belgien z. B. nicht Brüssel mit seinem vielberühmten „Maison du Peuple", sondern die kleineren Fabriksstädte> an der Spitze der Genossenschaftsbewegung marschieren. So ist es auch in England; so auch in Deutschland, wo nicht in Berlin und anderen Haupt- und Grosstädten, sondern in den kleineren und mittleren Städten des industriereichen Sachsen die Arbeiter-Konsumvereine am besten gedeihen. Also, auch in diesen Beziehungen hat die zukünftige palästinensische Genossenschaftsbewegung die besten Aussichten. Dias fast gänzliche Fehlen der grosskapitalistischen Handelsbetriebe, der kolossalen und prächtigen Warenhäuser einerseits, und die Konzentration der ganzen jüdischen Bevölkerung auf relativ kleinen Landstrecken, wie namentlich in den Kolonien oder in Städten, wie Jaffa, Jerusalem etc. andererseits — das sind die sichersten Bürgschaften für reiche Erfolge der Konsumvereine. 3) Das gilt wenigstens von den ersten Anfängen der Genossenschaft^ bewegung im Lande. 181