Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Vom Bezalel in Jerusalem
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Vor zwei Jahren haben wir davon garnicht geträumt, vor zwei Jahren ist uns gar nicht in den Sinn gekommen, dass hier in Jerusalem eine jüdische Kunstgewerbeschule eröffnet werden wird. Und während einer s o kurzen Zeit, trotz unserer zerrütteten. Zustände, trotz aller Störungen seitens „guter Freunde" ist doch etwas erreicht worden! Man muss zugeben, dass diese Schule sehr schwer gearbeitet hat. Ich will hier keine Lobgesänge für den Direktor, die Angestellten, die Schüler und Schülerinnen anstimmen; ihre Arbeit lohnt sich von selbst. Ich betone dies nur darum, damit wir doch bei unserer Kritik gerecht seien. Hätten wir den Leiter des „Bezalel" und sein Komitee in Berlin tüchtiger unterstützt, hätten wir uns bemüht, reicher zu säen, dann wären auch die Früchte reicher und unsere Freude grösser. Aber welche Freude bemerkte ich auf den Gesichtern aller Ausstellungsbesucher. Diese sind keine Grübler, sondern bescheidene Leute, welche an dem Schönen ihre Freude haben. Und ist denn nicht das Grübeln die Ursache alles Unglücks? Wieviel Institute sind hier bis zum Grund durch solches Nachgrübeln untergraben worden! Ich will lieber schweigen . . . Die Besucher sind sowohl Orthodoxe, als Freidenker; mehr Interesse flössen mir die ersteren ein, weil sie immer sagen; „Gesegnet sei der Ewige für jeden Tag!" Und was für freudigen Gesichtsausdruck zeigen die Mütter der Teppichknüpferinnen, die die Arbeit ihrer Töchter anzuschauen herkamen! „Du kleines Kind, hast du diesen grossen: Teppich gewebt?" fragt eine Mutter ihr Töchterlein. „Ja, ich und meine Kameradinnen", antwortete das Töchterlein stolz, und zwei 'blaue Augen, so hell, wie der heutige palästinensische Himmel, schauen unschuldig zur Mutter empor. In diesem Zimmer finden wir auch unsere „Aristokratie", welche französisch oder russisch spricht und auf diese Sprachen stolz ist. Und sie flattern herum die koketten „Französinnen" und „Russinnen" auf den jüdischen Teppichen, mustern mit ihren Augen die hebräischen Buchstaben, die ihnen unverständlich sind, und ^beschliessen dennoch, hier einen Teppich zu kaufen und nur einen solchen, in welchem mehrere stilisierte hebräische Buchstaben gewirkt sind. Manche bestellen sogar hebräische Monogramme. Die Macht der hebräischen Sprache! Wieder wandert mein Blick von einem Teppich zum anderen von einer Zeichnung zur anderen und das Herz wird von Freude, Stolz und Hoffnungen überfüllt. Nicht gross ist die Zahl der Arbeiterinnen; sie beträgt kaum 50 Mädchen. Sie ist aber genügend, um zu beweisen, dass wir arbeiten wollen und auch arbeiten. Nicht Almosen, sondern Arbeit wollen wir, Arbeit, von der wir uns ernähren sollen. Die Chalukah überlassen wir den Alten, Kranken und 168