Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Vom Bezalel in Jerusalem
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Unglücklichen, Vergrössert unseren Bezalel und verbreitet seine Industrien, die der Welt zeigen werden, dass auch wir Geschmack 'besitzen, dass wir in unsere Arbeit unseren Geist und unsere Gefühle einflössen. Kunstmaler J. Rothschild: Das Kunstgewerbe im Orient. Wenn man sich von dem heutigen Stande des Kunstgewerbes im Orient ein Bild machen will, ist es vor allem nötig, sich über die heutigen Verhältnisse dort klar zu werden; dazu ein Blick in die Geschichte des Kunstgewerbes, und das Resultat würde gerade kein sehr günstiges sein. Eigentlich ist das Wort „Handwerkskunst" eher am Platze, denn von Kunstgewerbe nach unseren Begriffen ist wohl schon seit einigen Jahrhunderte^ nicht mehr die Rede. Was dort geschaffen wird, ist mit der Zeit zur Schablone geworden, von einer Entwicklung im fortschrittlichen Sinne ist gar nicht zu reden; immer noch zehrt man an den einst und auch heute noch gefeierten maurischen Architekturen und ornamentalen Gebilden, jedoch ohne jedes Verständnis werden diese verarbeitet und schlecht kopiert. Man gibt sich auch gar keine Mühe einmal etwas Neues und Besseres zu schaffen, sondern zehrt nachlässig von dem Erbe der Väter, wie es dem orientalischen Charakter entspricht; technisch wird allerdings noch immer ganz gutes geleistet, besonders was Teppichwirkerei, Ciselierkunst und Intarsiearbeiten anbetrifft. Ich hatte während meines Aufenthaltes in Palästina, Damaskus, Beyruth etc. Gelegenheit, das dortige Kunstgewerbe von allen seinen Seiten kennen zu lernen und zu studieren. Was mir, als jüdischem Kunstgewerbler, besonders auffiel, war vor allem, dass die ausführenden und entwerfenden arabischen. Kunsthandwerker meist marokkanische und sephardische Glaubensgenossen waren, ja in Damaskus bildet gerade das Kunsthandwerk ein Haupterwerbszweig der dortigen jüdischen Bevölkerung und meine genaueren Beobachtungen führten mich zu der Erkenntnis, dass gerade jene Menschen ganz hervor« ragend für diesen Industriezweig geeignet sind. Von der einstigen Märchenpracht der kunstgewerblichem Erzeugnisse zur Zeit Harun al Raschide und der berühmten Damaszener Klingen und Waffen ist allerdings nichts mehr zu spüren, letztere werden hauptsächlich aus Solingen importiert und als echt arabisch an antiquitätensüchtige englische Ladys verkauft, die dann meist ob ihrer Eroberungen überglücklich sind. Die Erzeugnisse sind durch die verhältnismässig niedrigen Löhne meist billig. Unbedingt ist das Material, Holz, Perlmutter, Metall, Stoffe, ein ausserordentlich ausgiebiges; jedoch 169