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Palästina · 1908-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 167

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 8-9
Article
Vom Bezalel in Jerusalem
Date
1908-01-01
Page
Seite 167 (sequence 2)
Language
German
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Die Wände und der Boden waren mit Bezalelteppichen bedeckt Ich wusste nicht, wem früher meinen Blick zuzuwenden, den Besuchern oder den Teppichen. Die Teppiche! Meine Worte klingen vielleicht zu naiv, aber ich schäme mich ihrer nicht. Ich bin ein Jerusalemer , ider nicht viel in der Welt gesehen hat*) und bei Betrachtung solcher Gegenstände steigt mein Entzücken bis zur Naivetät. Ich habe zwar viele Teppiche hier in den Läden gesehen; dieselben werden aus Persien, Smyrna und Konstantinopel gebracht. Aber diese konnten bei mir nur Interesse herverrufen; sie vermochten mich nicht in Entzücken zu versetzen, wie es bei Betrachtung der Bezalelteppiche der Fall war. An der südlichen Wand hängt ein grosser Teppich; seine Zeichnung stellt eine Menora vor, deren Becher aus roten Anemonen bestehen. An meiner Seite stehen zwei junge Mädchen, die an diesen Teppichen gearbeitet haben, und eine flüstert der anderen zu: „Kennst du diese Blumen, weisst du was für eine Sage sie erzählen? Wir hatten Helden, Volkshelden, und sie fielen als Opfer auf dem Altare ihrer Volksfreiheit. Und ihr Blut floss auf unseren Hügeln, auf unseren Bergen und aus diesem1 Blute wuchsen diese roten Anemonen hervor- . Und sie flüstern unter einander und in ihren schwarzen grossen schönen Augen glänzt ein Feuer, welches das Herz, alle Sinne entzündet. Dieses Feuer kann nur derjenige verstehen, der diese zwei Mädchen an dem Teppichwebstuhl sitzen sah, wie sie Fäden mit Fäden knüpften und von unserer Vergangenheit und Zukunft, von unseren Träumen und Hoffnungen sangen. Lange war ich von den zwei schwarzäugigen Mädchen hingezogen, später aber wendete sich mein Blick wieder dem grossen Teppiche zu. Ein Rahmen von künstlerisch gezeichneten hebräischen Buchstaben umringt den ganzen Teppich und diese stilisierten Buchstaben schliessen und verbinden sich zu einer schönen, künstlichen, ja herrlichen Zeichnung. Ich sage „herrlich", obwohl ich von Kunst nicht viel verstehe; der Umstand jedoch, dass diese Stilisierung eine Neuheit in der Kunst ist, ermutigt mich zu diesem Ausruf. Mein Blick wandert von einem Teppich zum anderen, doch immer wieder kehrt er zum grossen Teppich zurück. Unten am Rande des Teppichs sieht man in grossen hebräischen Lettern die Worte: „Wisse, vor wem du stehst! nicht vor dem Kaiser, nicht vor irgend einem grossen Herrn; du stehst vor dem^ ersten grossen Teppich, welchen die ersten Jerusalemer jüdischen Knüpferinnen in der ersten jüdischen palästinensischen Kunstgewerbeschule angefertigt haben! Gering schätzen Sie das nicht! *) So sagen ja die Europäer mitleidsvoll. 167

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