Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Die jüdische Kunstgewerbeschule in Jerusalem und ihr Leiter
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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und byzantinischer Kunst; von überall her hatte er allerlei altbulgarische und byzantinische Musterstücke, die ihm als Vorlagen für Stil und Charakter des russischen Albums zu dienen hatten, mühselig zusammengetragen. Persönlich ist Schatz dem Fürsten Ferdinand auch anlässlich des Ablebens der Fürstin Maria Louise nähergetreten. Der Fürst beauftragte ihn damals mit der Abnahme der Totenmaske der Verstorbenen. Uebrigens ist Schatz eine echte Künstlernatur, wie sie sich unabhängig von Abkunft, Nationalität und Bildungsgang immer wieder darstellt, naiv, liebenswürdig, bescheiden, durchglüht von Begeisterung für seine Kunst und allen Händeln dieser Welt völlig verschlossen; ebenso auch im allgemeinen den Ansprüchen, den sie an den äusseren Menschen zu stellen pflegt. Das Groteske seiner Gestalt, wenn er, der ziemlich weit draussen wohnte, im abgetragenen schwarzen Bratenrock mit fliegenden Schössen auf dem ältesten, d. h. billigsten Zweirad, das in Sofia aufzutreiben gewesen war, durch die staubigen Strassen der Stadt sauste, war der ganzen Einwohnerschaft bekannt und vertraut. Ebenso seinen näheren Bekannten sein ständiger Kampf mit den modernen Sprachen, denen er, sobald er loslegte, die schwersten Wunden beibrachte. Als ich einst einen seiner nächsten Freunde fragte, wie Schutz denn russisch spreche, erhielt ich zur Antwort: „Genau so wie deutsch, französisch und bulgarisch." Ich wusste nun Bescheid. Schatz hatte in seiner Jugend keine Gelegenheit und in späteren Jahren angesichts der Anforderungen der künstlerischen Ausbildung und des Broterwerbes, der ihm jahrelang recit sauer wurde, keine Zeit, sich mit sprachlichen Studien abzugeben. Wozu braucht denn auch der Bildhauer eine Sprache?Sein Ausdrucksmittel ist seine Kunst. Abgeseher« von der Kunst war es nur die Idee des Zionismus, die in dieser Schwärmerseele Wurzel gefasst hatte. Der Gedanke, die Paria-Kaste der russischen Juden, aus der er selbst hevorgegangen ist, durch Ueberführung in das gelobte Land von dem (dumpfen Druck, in dem sie vegetiert, zu erlösen, verlieh ihm auch i^ach aussen hin Schwungkraft und Energie. Dass er einst selbst berufen sein würde an Ort und Stelle an diesem Werke ^mitzuarbeiten, davon hat er sich damals wohl noch nichts träumen lassen. Als aber der Ruf nach Jerusalem an ihn erging, packte er freudig seine Siebensachen und zog mit seiner Familie mit Begeisterung von dannen. Die Erfolge der neugegründeten Jerusalemer Schule sind vor allem anderen seiner Hingabe zu verdanken. Seine Schüler und Schülerinnen rekrutierten sich fast ausnahmslos aus dem Nachwuchs der aus Russland und Rumänien vertriebenen Juden. Er lebt als Führer und Vater unter ihnen. Die Schule betrachtet als ihr nächstes Ziel die Verdrängung der zumeist entsetzlich geschmacklosen Pilger- und Touristen-Andenken durch 165