Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 5 (1908)
- Issue
- Heft 8-9
- Article
- Die jüdische Kunstgewerbeschule in Jerusalem und ihr Leiter
- Date
- 1908-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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kunstgewerbliche Kleinarbeiten und die Einführung der Teppichknüpferei als Hausindustrie unter den Juden, wobei Schatz versucht, seinen Teppichmustern national-jüdisches Gepräge zu geben. Das gelingt ihm durch stilisierte Anordnung der geometrischen Formen, hebräischer Buchstaben, Kultgeräten, und sonstiger Symbole. Die Idee ist natürlich nicht neu. Man denke an die vorderasiatischen Teppiche mit ihren Moscheezeichnungen, an die Perser Erzeugnisse mit ihren stilisierten Geheirnzeichen des alten Sonnen- und Tierkults, an türkische und kleinasiatische Teppiche, deern Zeichnungen häufig noch die Formen des griechischen Alphabets erkennen lassen. Immerhin können die Versuche von Schatz als gelungen bezeichnet werden, zumal da bei ihm das künstlerische Verständnis mit einem soliden technischen Können Hand in Hand geht. Schatz selbst ist von dem Schülermaterial, das ihm zur Verfügung steht, hochbefriedigt, und hebt immer wieder die Begabung und Anstelligkeit seiner Zöglinge hervor. Tatsächlich ist eine starke künstlerische Begabung vereint mit manueller Geschicklichkeit bei den armen russischen Juden nichts Seltenes. Von den jüdischen Landansiedlern in Palästina wird überdies berichtet, dass ihr Nachwuchs mit bewundernswerter Gewandtheit den ländlichen Beschäftigungen obliegt. Die Jungen reiten und tummeln sich auf den ungesattelten Tieren wie die Cowboys. Ein Beispiel, dass auch auf diesem Felde Fähigkeiten unter den russischen Juden vorhanden sind, bietet neben den zahlreichen jüdischen Zirkusreitern und Akrobaten der jRothschildsche Jockey und Trainer Hirsch, der ebenfalls das Kind solcher russischer Emigranten ist. Die Anpassungsfähigkeit der Rasse wird hier zum Kulturfaktor und zum Befreier brachliegender und gefesselter Kräfte. Die „Neue Nationalzeitung". Wien: Vom Bezalel in Jerusalem. Ein heller warmer Wintersabbat. Eine herrliche Sonne salem: Ein heller warmer Wintersabbat. Eine herrliche Sonne erschien am blauen wolkenlosen Himmel und die ganze Jerusalemer Natur drückte Freude, Glück und Entzücken aus. An. diesem Tag veranstaltete Herr Prof. Boris Schatz eine Ausstellung der Bezalel-Arbeiten. Das Jerusalemer Publikum liebt es, sein Auge an dem Interessanten und Merkwürdigen, das sich ausserhalb des engen Kreises seines kummer- und mühevollen Lebens ereignet, zu laben. An diesem Sabbat war ihm die günstige Gelegenheit geboten, bei der Ausstellung im „Bezalel" seine Sehnsucht zu stillen. Das nicht zu grosse Zimmer, in welchem diese Ausstellung stattfand, war von Männern, Frauen und Kindern überfüllt. 166