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Palästina · 1908-01-01 · Heft 8-9 · p. Seite 164

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Journal
Palästina
Volume
5 (1908)
Issue
Heft 8-9
Article
Die jüdische Kunstgewerbeschule in Jerusalem und ihr Leiter
Date
1908-01-01
Page
Seite 164 (sequence 1)
Language
German
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Marie Rotheit, Berlin: Die jüdische Kunstgewerbeschule in Jerusalem und ihr Leiter. Einen bescheidenen Raum in der Berliner Ausstellung für jüdische Kunst, die jüngst geschlossen wurde, nahmen die Erzeugnisse der jungen Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem ein. Die Schule wurde von dem gleichnamigen Verein ins Leben gerufen, der sich die „Verbreitung von Kunstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern" zum Zwecke setzt uift auch in Frankfurt Mitglieder hat. Vor der Hand wird die Anstalt, die erst drei Semester hinter sich hat, noch von dem Verein unterhalten (Jahresbudget etwa 23,000 Fr.), doch stellen ihr berufene Fachmänner das günstige Prognostiken, dass sie bald in der Lage sein werde, selbst für sich tu sorgen. Näheres darüber ist dem Jahresbericht zu entnehmen, woraus nur kurz erwähnt werden soll, dass sie eine Vofbereitungsklasse und eine höhere Klasse für kunstgewerblichen Zeicheniund Modellierunterricht (zusammen 24 Schüler), eine Abteilung für Teppicharbeiten (48 Schülerinnen) und Abteilungen für Steinhauer und Holzschnitzer enthält. Ohne mich mit den Einzelheiten aufzuhalten, möchte ich hier einige Worte über den Leiter der Anstalt, den Bildhauer Boris Schatz sagen: Aermster Odessaer Juden Kind, erhielt er kaum die notwendigste Schulbildung. Indes zeigte sieh früh sein starkes Talent zum Zeichnen und für Formenbildung. Er arbeitete Jahre lang als jugendlicher Hilfsarbeiter in verschiedenen Handwerkerstätten. Endlich gelang es ihm, unter schweren Entbehrungen als Ateliergehilfe zu seinem berühmten Landsmann und Stammesgenossen Antokolski nach Paris zu kommen, der, seine Begabung erkennend, ihn bald als Schüler betrachtete und ihm die erforderlichen Unterweisungen angedeihen liess. Nach mehrjährigem Aufenthalt bei Antokolski ging Schatz in das von den Russen befreite Bulgarien, nach Sofia, wo er später eine Anstellung als Zeichen- und Modellierlehrer an der dortigen neugegründeten staatlichen Kunstschule erhielt. Fürst Ferdinand, der diesem Institut sein besonderes Wohlwollen zuwandte, hatte auch für die vielseitige künstlerische Begabung Boris Schatz' Verständnis. Er beauftragte ihn u. a. mit der Ausführung eines kostbaren Albums zum Gedächtnis an den Zar- Befreier Alexander IL, das später von einer bulgarischen Abordnung im Auftrage des Fürsten dem jetzigen Zaren überreicht wurde. Schatz löste diese Aufgabe in künstlerischer wie technischer Hinsicht in gleicher Fertigkeit unter den schwierigsten Umständen, da er sich alle Behelfe hierzu selbst schaffen und alle technischen Arbeiten mit eigener Hand vollführen musste. Sein Atelier glich damals einem kleinen Museum altbulgarischer 164

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